Grünes Eis auf Grönland

Vor einigen Tagen veröffentlichte der »Guardian« ein Foto, das der Kopenhagener Klimaforscher Steffen M. Olsen in Nordwestgrönland gemacht hat. Es zeigt mehrere Schlittenhunde, die auf dem tauenden Grönlandeis unterwegs sind. In sekundenschnelle ging das Foto um die Welt.

Ebenso schnell begaben sich die Medien wie die Schlittenhunde aufs Eis. DieWestdeutsche Zeitung meldet prompt »So drastisch sieht der Klimawandel aus«. DieHannoversche Allgemeine liefert unter dem Titel »Meereis in Grönland schmilzt rasant« zumindest noch ein paar Zahlen zu der dpa-Meldung, die von den meisten anderen unter das Foto gesetzt worden war. Das Foto wird, wie konnte es anders sein, als weiterer Beleg für den Klimawandel gewertet.
In der ursprünglichen Meldung bei dpa steht jedoch nichts von Klima und Klimawandeln. Der am Dänischen Meteorologischen Institut tätige Forscher, der das Foto in der Nähe der Stadt Qaanaaq gemacht hatte, versuchte lediglich »eine problematische Situation zu dokumentieren, in die wir während unserer Arbeit hineingelaufen sind«. Er fand, schreibt dieFAZ, die Situation »persönlich etwas surreal« und zeigte sich überrascht, dass das Handy eines Amateurs solche Reichweiten hinbekomme. Die sogenannten Qualitätsmedien haben aus einer Meldung, die eventuell als Handywerbung durchgehen kann, eine Klimawerbung gemacht.
Ein Blick auf dasKlimadiagramm des in der Nähe von Qaanaaq gelegenen Thule macht deutlich, warum es dort im Juni nicht nur taut: Die Temperatur steigt tagsüber im Durchschnitt auf +5 °C und fällt nachts auf durchschnittliche 0 °C. Eis schmilzt bekanntlich bei 0 °C. Auch auf Grönland. Das Eis ist dann weg.
Aber vielleicht ist Eis auf Gönland ja grün. Als weitere katastrophale Folge des Klimawandels, versteht sich.

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