Von Hollywood nach Görlitz

Von MAX ROLAND | Eine Oberbürgermeisterwahl in Sachsen. Man verzeihe mir meine westlich-großstädtische Arroganz: Ein Sack Reis fällt um. Möchte man jedenfalls meinen. Aber diese Wahl scheint unfassbar bedeutend zu sein. Denn Hollywood hat sich nun eingeschaltet. 

Mehrere Filmschaffende haben einen Aufruf an die Stadt unterzeichnet. Die Görlitzer sollten „weise wählen“: „Der Stoff, aus dem Frieden ist, heißt Toleranz“. Implizit wird alles klar: Die Bürger der sächsischen Stadt sollen gefälligst nicht den AfD-Kandidaten wählen, denn der gefällt Hollywood ganz und gar nicht. Die Stars aus dem fernen Kalifornien greifen in die deutsche Kommunalpolitik ein – absurd. 

Nein, für die ist Görlitz natürlich voll ne Herzensangelegenheit. Weil Hollywood da häufiger mal Filme dreht. Deswegen, meinen die echten oder selbsternannten Stars, haben sie eine ganz besondere Verbindung zu dieser Stadt. Sie finden Görlitz so toll, dass sie den Görlitzern direkt mal drohen: Wenn das Wahlergebnis nicht passt, dann bleibt man eben weg aus der Stadt. Initiator des Briefes, Michael Simon de Normier (Ich weiß nicht wer das ist, aber mindestens er selbst findet sich unfassbar wichtig) sagt: „Wenn der Eindruck entsteht, dass eine Mehrheit in der Stadt fremdenfeindlich ist, wird das weltweit wahrgenommen und wird wohl auch Konsequenzen haben.“ Also liebe Görlitzer, wenn ihr nicht so wählt, wie es ein paar reiche Schauspieler wollen, dann gibt das Ärger. Schließlich geht es hier darum, die Demokratie zu schützen… oder? Keine Ahnung. Auf jeden Fall kümmert Hollywood sich um Sachsen. Endlich bekämpfen die Stars den aufkommenden Faschismus! Gut, keiner wird wirklich Ahnung haben, was Görlitz oder andere Städte bewegt: Aber egal. Von LA aus kann man das sicherlich alles gut beobachten. Was, diese Einmischung von Außerhalb in den demokratischen Prozess soll eine Anmaßung sein? Ach wo. Habt doch Verständnis: Nachdem Hollywood seit Jahren versucht, die heimische Demokratie in Amerika zu beeinflussen und Trump trotzdem in den Umfragen glänzt, schweift der Blick halt durch die Welt – und fällt auf Görlitz. Da können die Sachsen sich aber freuen, dass Hollywood sie beehrt und belehrt. Und scheinbar haben sie verstanden, wie man richtig wählt. Denn Görlitz hat sich gegen den AfD-Kandidaten Sebastian Wippel und für den CDU Kandidaten Octavian Ursu entschieden.

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