SPD + Linke = SED

Nach Monaten, ja Jahren des Niedergangs der roten Linken scheint Rettung in Sicht. Jedenfalls glaubt der Alt-68er Daniel Cohn-Bendit eine Lösung für die Dauermisere der beiden linken Parteien zu haben: Die Vereinigung beider. »Rettung der Sozialdemokratie nicht der SPD«, nennt er das. Damit man am Ende, erklärt er gegenüber der  taz, »wieder ein Machtfaktor« ist.
Oberflächlich geben die Wahlergebnisse dem einstigen Barrikadenkämpfer recht. Die ca. 12% der SPD summieren sich mit den 7% der Linken immerhin wieder zu 20%. Dass die 20% weiterhin deutlich weniger sind, als beide zusammen bei der letzten Bundestagswahl schafften, berücksichtigt der linke Großdenker dabei ebensowenig, wie die Aussicht, dass nicht wenige Wähler SPD und Linken den Rücken zukehren werden. Aus 20 können so schnell wieder 16% werden – aber das ist ja immer noch mehr als die 7 bzw. 12 Prozent, die Linke und SPD heute wählen würden.
Eines ist sicher: Der Wind bliese den beiden Parteien kräftig entgegen. Und auch wenn niemand bestreitet, »dass Katja Kipping und Kevin Kühnert sehr gut in eine Partei passen« würden – der Hinweis auf die sogenannte Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED ragt zu deutlich am historischen Horizont auf. Gerade in Ostdeutschland ist das linke Unrechtsregime DDR mit seinen regelmäßigen Enteignungen noch längst nicht vergessen.
In der links-grünen Medienlandschaft fände diese Landpartie der beiden roten Parteien dagegen viel Unterstützung. Die Summe aus SPD und Linken macht im Mittel eine Partei, die man endgültig nicht mehr mit den linken Großverbrechen verbindet. Der Spiegel bezeichnet den Vergleich mit der Zwangsvereinigung von 1946 in einer Art Vorwärtsverteidigung schon einmal als »ahistorischen Unsinn«. Dort träumt man sich wieder zurück in die Jugend Daniel Cohn-Bendits wenn es heißt: »Zugegeben, die Idee klingt irre, aber die Zeiten sind verrückt. Der Kapitalismus gerät gerade an seine Grenzen. Das Land braucht eine starke Kraft, die sich traut, sie zu überschreiten.« Als hätten 40 Jahre DDR nicht genug Schaden angerichtet, wünscht man sich ein Wiedererwachen der SED als politische Kraft.

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