Was in der Schweiz und anderswo berichtet wurde – 03.10.2022

Im Internetradio mitgehört und mitgeschrieben von Wilhelm Tell
Brasilien –  Diesen Sonntag geht es bei der Präsidentschaftswahl in der grössten Volkswirtschaft Südamerikas um die Frage: Wohin steuert Brasilien? Zur Wahl stehen der amtierende, ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro (67). Und der linke Ex-Präsident Lula da Silva (76). Ihr Zweikampf steht für den Konflikt zwischen einer konservativen und einer progressiven Weltanschauung. SRF.ch
In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien am Sonntag konnte weder Amtsinhaber Jair Bolsonaro noch Herausforderer Luiz Ignacio Lula da Silva mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die Wahl werde am 30. Oktober in einer Stichwahl zwischen dem ultrarechten Bolsonaro und dem linksgerichteten Lula entschieden, teilte die nationale Wahlbehörde TSE am Sonntag mit. ORF.at

Burkina Faso – Das Militär hat in Burkina Faso erneut geputscht. Bereits vor acht Monaten kam es zu einem Staatsstreich im westafrikanischen Land. Der bisherige Präsident, Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba, sei seiner Funktionen enthoben worden, hiess es laut lokaler Medienberichte in einer Fernsehansprache der neuen Machthaber im staatlichen Fernsehen RTB am Freitagabend. Hauptmann Ibrahima Traoré von den burkinischen Streitkräften stehe nun an der Spitze Burkina Fasos, hiess es weiter. Das Übergangsparlament ist den Angaben zufolge aufgelöst und die Verfassung ausgesetzt worden. Die Grenzen des Landes wurden demnach vorerst geschlossen. Die neuen Machthaber verhängten eine Ausgangssperre bis 5.00 Uhr. Noch bis zum Abend hin hatte der bisherige Präsident Damiba mitteilen lassen, Verhandlungen mit seinen «Waffenbrüdern» zu führen. Er rief zugleich die Bevölkerung zu Ruhe und Besonnenheit auf. Seit dem frühen Morgen waren in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou Soldaten an zentralen Orten auf Posten gegangen. Ausserdem versperrten sie den Zugang zum Präsidentenpalast. In der Nacht zum Freitag waren Schüsse in der Hauptstadt zu hören. Das Militär regiert in Burkina Faso bereits seit einem Putsch im Januar. Nach eigenen Angaben wollten die Soldaten für mehr Sicherheit sorgen. In jüngster Zeit hat sich die Sicherheitslage jedoch verschlechtert, was den Druck auf die Übergangsregierung von Oberstleutnant Damiba verstärkte. Im Grenzgebiet zu Mali und Niger, also im Norden Burkina Fasos, hatte es im September zwei schwere Anschläge auf Versorgungskonvois gegeben. Dutzende Soldaten und Zivilisten wurden getötet. Die politische und humanitäre Lage in dem Sahelstaat mit rund 21 Millionen Einwohnern ist seit Jahren instabil. Bewaffnete Gruppen, von denen einige der Terrorgruppe Islamischer Staat oder dem Terrornetzwerk Al-Kaida angehören, sind dort sowie in den Nachbarstaaten Mali und Niger aktiv. Auch lang anhaltende Dürren und Hungerkrisen machen dem trotz reicher Goldvorkommen verarmten Land zu schaffen. SRF.ch

Deutschland – «Wir bauen Autos, die keiner braucht, aber jeder haben will», sagte Porsche Gründer Ferdinand Porsche dereinst. Das gilt ab sofort nicht nur für die Fahrzeuge des Stuttgarter Sportwagenherstellers. Auch die Porsche-Aktien waren beim Börsengang am 29.9. sehr gefragt. 75 Milliarden Euro betrug der Börsenwert der Marke zu Handelsbeginn. Das macht Porsche zum wertvollsten Autohersteller Europas und katapultiert ihn auch weit nach vorne. SRF.ch
● Bundesarbeitsminister Heil hat den seit heute geltenden höheren Mindestlohn von zwölf Euro gegen Kritik verteidigt.
● In Erfurt haben am Vormittag die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Bei einem dreitägigen Bürgerfest präsentieren sich alle 16 Bundesländer mit Bühnenprogrammen. 120.000 Besucher werden erwartet. Am Montag, dem 3. Oktober, findet im Erfurter Theater der offizielle Staatsakt zum Tag der Deutschen Einheit statt. In diesem Jahr richtet Thüringen die zentralen Veranstaltungen aus, weil das Land derzeit den Vorsitz im Bundesrat hat. RBB.de

Frankreich – Das Kanalnetz für die Binnenschifffahrt in den Benelux-Ländern, Nord-Frankreich und Nord-Deutschland ist weit verzweigt. Lange wurde es vernachlässigt. Doch die historischen Wasserstrassen werden wieder ausgebaut und modernisiert. Zur Freude der Logistik-Branche, welche die grössten Häfen im Norden Europas bedient. Diese kämpfen nämlich mit dem Problem der chronisch überlasteten Strassen. So soll etwa der neue Kanal Seine-Nordeuropa schon in wenigen Jahren dafür sorgen, dass zwischen dem Meerhafen Antwerpen und der Metropolregion Paris jährlich 750’000 Lastwagen weniger die Autobahnen verstopfen. Allerdings behindert der grosse Fachkräftemangel das Wachstum der europäischen Binnenschifffahrt: Immer weniger Menschen sind bereit, wochenlang von zu Hause weg zu sein. Es fehlen Kapitäne, Steuerfrauen und Matrosen. Ein Unternehmen in Antwerpen verspricht Abhilfe. Es setzt auf ferngesteuerte Schiffe – in Flandern sind diese bereits eine Realität. Eine andere Innovation zeigt sich in Strassburg: Dort denken die Lieferanten von Hotels, Restaurants und Läden um, liefern ins Stadtzentrum statt per Lastwagen auf einer neuen Transportkette via Kanalschiff und E‑Bikes. Sie reagieren auf den Druck der Politik, welche das Stadtzentrum möglichst frei von klimaschädlichen Emissionen halten will. Eigentlich hatte Europa das alles schon einmal: Im Mittelalter waren die Wasserwege alltägliche Routen für den Gütertransport. SRF.ch

Italien – Die italienische Regierung des scheidenden Ministerpräsidenten Mario Draghi hat die Überwachung und Kontrolle der Pipelines, die Gas aus dem Süden und Osten nach Italien bringen, verstärkt. Rom hat auch die Alarmbereitschaft für die Trans Austria Gasleitung (TAG) erhöht, die russisches Erdgas von Baumgarten bis nach Norditalien bringt. ORF.at

Japan – Japan will neue AKW bauen. Neue Energie mit altem Know-how: Geht es den Konzernen nur darum, nochmal mit der alten Technik Geld zu verdienen? SRF.ch

Libanon – Verzweifelte Menschen überfallen Banken. Ihre Ersparnisse sind blockiert oder verschwunden. Kunden versuchen deshalb, mit Gewalt an ihr Geld zu kommen. In Libanon hat letzte Woche eine Serie von Banküberfällen Aufsehen erregt: Verzweifelte Bürgerinnen und Bürger stürmten Banken, nahmen Geiseln und forderten die Herausgabe ihrer Ersparnisse. Aus Angst, die Situation könnte ausser Kontrolle geraten, schlossen die Banken mehrere Tage. Anfang Woche machten sie wieder auf, doch an der Situation hat sich nichts geändert: Libanon ist bankrott, die Ersparnisse seines Volkes sind verschwunden. Einer der ersten Libanesen, der sich zu einer solchen Verzweiflungstat schon vor einigen Jahren hinreissen liess, ist Hassan Moughnieh. Der 41-jährige Geschäftsmann und Restaurantbesitzer ist verheiratet und Vater einer sechsjährigen Tochter sowie eines dreijährigen Sohnes. Er hat wiederholt im Ausland gelebt und gearbeitet, seit drei Jahren ist er wieder in Libanon. Im März 2020 überfiel er plötzlich eine Bank. «Ich bin nicht wirklich stolz auf das, was ich getan habe, nur sehr traurig über das, was in Libanon passiert», sagt Moughnieh am Telefon. «Meine Mutter hatte Krebs, sie musste dringend operiert werden. Aber ich konnte die Operation nicht bezahlen, weil die Banken unsere Ersparnisse nicht herausgaben.» Also habe er eines Morgens eine Bankfiliale in der südlibanesischen Stadt Tyre überfallen. Er sei zwar nicht bewaffnet gewesen, habe aber Angestellte als Geiseln genommen. «Bis mir die Bank am Abend versprach, Geld für die Operation meiner Mutter herauszugeben.» Die Operation kam jedoch zu spät: Seine Mutter verstarb. Eine lange Gefängnisstrafe, wie bei Banküberfällen sonst üblich, bekam Moughieh nicht – ebenso wenig die vielen Nachahmetäterinnen und ‑täter. Die meisten von ihnen kamen höchstens ein, zwei Nächte ins Gefängnis. Seine Mutter konnte Moughnieh mit seinem Banküberfall nicht retten. Aber er schwor sich, andere vor demselben Schicksal zu bewahren. Er gründete die «Association of Depositors»: Eine Vereinigung, die sich auf dem Rechtsweg für die Herausgabe der Ersparnisse der Leute einsetzt. Moughniehs Mindestforderung: Wenigstens Krebskranke sollten auf ihre Ersparnisse zugreifen können, um überhaupt medizinische Behandlung zu erhalten. Der Geschäftsmann redete mit allen möglichen Instanzen: mit Bankenvertretern und Politikerinnen, mit Anwältinnen und Richtern, und er strengte Rechtsverfahren an. Es kam nichts dabei heraus. Die Ersparnisse der Libanesinnen und Libanesen bleiben blockiert oder verschwunden. Und die Regierung hat dafür nicht einmal eine offizielle Erklärung. Ein Grund für die jetzige Häufung der Banküberfälle könnte sein, dass Moughnieh aufgegeben hat und potenziellen Bankräubern nicht mehr ins Gewissen redet. «Jetzt sage ich den Leuten: bleibt zu Hause, weint, betet – oder raubt eine Bank aus.» Er und die Mitglieder der Vereinigung der Bankkunden sind Freiwillige. «Wir haben alle Verfahren aus der eigenen Tasche bezahlt. Jetzt sind unsere Mittel ausgeschöpft. Wir können nichts mehr tun». Moughnieh hofft nun, dass die Zunahme an Banküberfällen dazu führt, dass Banken und Politiker wenigstens den Menschen helfen, die todkrank sind und sich ohne Zugriff auf ihre Ersparnisse nicht einmal einen Spitalaufenthalt leisten können. SRF.ch

Nordkorea. UNO-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung jeglicher Art von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch einen oder mehrere Atomsprengköpfe tragen können. Es handelt sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen. Das Parlament in Nordkorea hatte in diesem Monat zudem ein Gesetz zur staatlichen Nuklearpolitik verabschiedet. Dieses sieht unter anderem den Einsatz von Atomwaffen nicht nur bei einem Angriff feindlicher Kräfte, sondern schon bei einem drohenden Angriff auf die Führung in Pjöngjang vor. Das Land ist wegen seines Atomwaffenprogramms harten internationalen Sanktionen unterworfen. Die zuletzt gehäuften Raketentests Nordkoreas werden von Experten auch als Reaktion auf die diese Woche abgehaltenen Seemanöver südkoreanischer und US-amerikanischer Streitkräfte gewertet. An den viertägigen Marineübungen hatte auch der Flugzeugträger «Uss Ronald Reagan» teilgenommen. Es war die erste Entsendung eines US-Flugzeugträgers nach Südkorea seit fast vier Jahren. Nordkorea wirft den USA regelmässig vor, durch ihre Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten – was von beiden Ländern bestritten wird. Nordkorea hat erneut zwei ballistische Raketen getestet. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flogen die beiden Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres (Koreanisches Ostmeer). Sie erzielten demnach eine Flughöhe von rund 30 Kilometern und eine Reichweite von 350 Kilometern. Es handelte sich bereits um den vierten Raketenabschuss in dieser Woche. SRF.ch

Ostsee – Der Pipeline-Betreiber Nord Stream AG erklärte, dass die Folgen der Zerstörung der Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2, die am 26. September stattfand, präzedenzlos sind, informierte TAss. Der Nord Stream Betreiber wies darauf hin, dass sich die Zwischenfälle an den drei Pipelines fast zur gleichen Zeit ereigneten. Dies war noch nie zuvor geschehen. Es wurde berichtet, dass die Explosionen an den drei Gaspipelines das Ergebnis geplanter Sabotagen gewesen sein könnten. Die Wiederherstellung der drei Pipelines kann mehr als sechs Monate dauern. Diese Meinung vertrat Pawel Sawalny, Vorsitzender des Energieausschusses der russischen Staatsduma. Dem Beamten zufolge können zwei Technologien für die Reparatur von Nord Stream 1 und Nord Stream 2 eingesetzt werden. Im ersten Fall müsste ein Senkkasten gebaut werden, um die Pipelines direkt unter Wasser zu reparieren. Im anderen Fall müssten die Arbeiter die Rohre an die Oberfläche heben. VESTI.ru

Russland – «Die Leute haben ihre Wahl getroffen», sagt Putin in Moskau und beruft sich auf das «Selbstbestimmungsrecht» der Völker. «Es gibt nichts Wichtigeres als der Wille von Millionen, in ihre historische Heimat zurückzukehren.» Den Zerfall der Sowjetunion vor gut 30 Jahren bezeichnet er in diesem Zusammenhang als «Tragödie». Putin fordert die Ukraine auf, umgehend jegliche militärischen Handlungen einzustellen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. «Wir sind bereit für Gespräche», sagt er.
● 15 Jahre Haft für Fahnenflucht. In Russland gibt es einen regelrechten Exodus junger Männer, seit der russische Präsident Wladimir Putin die Teil-Mobilmachung bekannt gegeben hat. Hunderttausende wollen aus dem Land fliehen, um dem Einsatz in der Ukraine zu entkommen. Die EU-Staaten suchen weiter nach einer gemeinsamen Linie. Ein erstes Krisentreffen der 27 EU-Botschafter am Montag brachte keine Lösung. Die Positionen liegen teils weit auseinander. Die deutsche Bundesinnenministerin Nancy Faeser stellte Deserteuren Asyl in Aussicht. Die Schweiz solle russischen Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren kein politisches Asyl gewähren. Denn das sei ein hohes Sicherheitsrisiko, sagte der ukrainische Botschafter in der Schweiz, Artem Rybchenko, in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Es bestehe die Gefahr, dass versucht werde, über den Asylweg Agenten in die Schweiz und in die EU einzuschleusen. Die baltischen Staaten und Polen lehnen die Aufnahme dieser Menschen strikt ab. Finnland hat am Donnerstag die Einreiseregeln weiter verschärft und die Grenze für russische Touristen geschlossen. SRF.ch
● Das Referendum auf der Krim im März 2014 war der Auftakt zu den Referenden, die der Kreml inzwischen auf fast 100.000 km² der Ukraine durchgeführt hat. Das sind 15% des gesamten Territoriums des Landes, das die selbsternannten unabhängigen Republiken Lugansk und Donezk sowie die pro-russischen Regionen Cherson und Zaporiya umfasst. „Die feierliche Unterzeichnung der Abkommen über den Beitritt der neuen Gebiete zu Russland findet am 30. September um 12 Uhr im St.-Georgs-Saal des Kremlpalastes statt“, kündigte der Sprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow am Donnerstag an. An der Zeremonie werden voraussichtlich die pro-russischen Führer von Lugansk, Donezk, Cherson und Zaporiya, Leonid Pasechnik, Denis Pushilin, Volodymir Saldo und Yevghei Balitsky, sowie mehrere Abgeordnete teilnehmen, die als Zeugen fungieren werden. Sie alle sind bereits in Moskau und warten auf „eine historische Entscheidung“. Die Wahl der St. George’s Hall für die Paraphierung der Dokumente war keine zufällige Entscheidung. Es war nicht nur Zeuge einiger der grössten Kreml-Ereignisse, es war auch Schauplatz der Unterzeichnung des Vertrags über die Annexion der Halbinsel Krim und der Stadt Sewastopol an Russland im Jahr 2014. Daher wird erwartet, dass die Veranstaltung am Freitag eine Feier auf höchstem Niveau wird Niveau für Moskau. Begleitet wird der offizielle Festakt von einem Konzert vor dem Präsidentenpalast sowie einer „grossen Rede“ des Kreml-Chefs vor der gesamten Bundesversammlung. VESTI.ru

Schweiz – Nach zehn Wochen Ausbildung sollen Ukrainer im Hotel oder im Restaurant mitanpacken können: Dieses Ziel verfolgt ein Luzerner Pilotprojekt. Ob im Restaurant oder im Hotel: Aufgrund des derzeitigen Personalmangels in der Gastrobranche ist jede Hilfe willkommen – selbst von Quereinsteigerinnen. Dies macht sich nun ein Luzerner Pilotprojekt zunutze: In einem neuen zehnwöchigen Lehrgang werden Frauen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, aufs hiesige Gastgewerbe fit getrimmt. Für manche ist das ein kompletter Seitenwechsel: In der Heimat arbeiteten die Frauen beispielsweise im Verkauf, im Marketing oder im Bergwerk. Nun lassen sie sich unter anderem im Stadtluzerner Fünf-Sterne-Hotel Schweizerhof in die Zimmerreinigung einführen. Marjorie Bucher, die den Bereich Hauswirtschaft leitet, erklärt drei Ukrainerinnen gerade die Logik der Putzlappen: rosa fürs WC, gelb fürs Lavabo, blau zum Abstauben. Das Bett soll am Ende knitterfrei daherkommen, die Minibar will gefüllt sein. Marjorie Bucher lobt die Frauen: «Sie sind sehr motiviert. Natürlich fehlen ihnen noch etwas Feinfühligkeit und gewisse Skills.» Etwa, beim Betten auf die Knie zu gehen, um den Rücken zu schonen. «Aber das kommt schon noch.» Das Hotel Schweizerhof ist einer von sechs Betrieben aus der Gastroszene, die am Pilotprojekt teilnehmen. Aus Solidarität, aber auch wegen des ausgetrockneten Arbeitsmarktes. «Unsere Hoffnung ist es, dass wir helfen können. Einen Beitrag leisten dürfen, damit es den Betroffenen besser geht», sagt Cécile Iten, Mitglied der Geschäftsleitung. Und wer weiss, vielleicht bleibe die eine oder andere ja der Branche erhalten. «Wir können eigentlich nur gewinnen.» Das theoretische Rüstzeug für den Berufseinstieg erhalten die Ukrainerinnen im Hotel-Restaurant Sonnenberg in Kriens. Das Drei-Sterne-Haus fungiert seit 2007 als Ausbildungs- und Integrationsprojekt mit dem Ziel, Menschen wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Auf dem Sonnenberg hoch über dem Luzerner Seebecken lernen die Ukrainerinnen unter anderem, was ins Bewerbungsdossier gehört, wie ein Lebenslauf daherkommen soll oder worauf es beim Bewerbungsfoto zu achten gilt. Shooting inklusive. Die Lektionen lassen die insgesamt zwölf Ukrainerinnen zwischen 20 und 50 Jahren Hoffnung schöpfen. «Der Kurs ist sehr interessant und wichtig für mich, um eine Stelle zu finden», sagt Inna Podbutska, eine der Teilnehmerinnen, die früher in einem Bergwerk gearbeitet hat. «Ich bin nun schon einige Monate hier und würde gerne arbeiten.» Für das Pilotprojekt wird kein Aufwand gescheut: Über 300 Stunden lang werden die Frauen ausgebildet. Die Kosten dafür teilen sich die beiden Verbände Luzern Hotels und Gastro Luzern, die teilnehmenden Betriebe sowie Stiftungen. Lanciert hat das Projekt Ron Prêtre, Personalchef des Hotels Sonnenberg – und dies, obwohl niemand weiss, wie lange die Ukrainerinnen mit Schutzstatus S in der Schweiz bleiben. Nimmt er damit nicht ein gewisses Risiko in Kauf? Prêtre winkt ab. «Die Gastronomie braucht Personal. Wir sind froh, wenn wir Leute haben, die einen Tag, eine Woche, einen Monat arbeiten kommen. Ich sehe hier kein Risiko.» Er hoffe, dass die zehn Wochen ausreichen, um den Frauen zu einem Job zu verhelfen. «Und sollten sie sich für eine Rückkehr entscheiden, können sie das Gelernte sicher auch in der Ukraine brauchen.»
● 2014 kam es zum grossen Knall – die Schweizerische Nationalbank (SNB) führte erstmals in ihrer Geschichte einen Negativzins ein. Geschäftsbanken mussten für Einlagen bei der SNB von nun an Negativzinsen bezahlen – zugleich sanken die Zinsen der Geschäftsbanken für die Sparer gegen null. Wer viel Geld auf dem Bankkonto hielt, musste darauf Negativzinsen bezahlen. Weltweit tiefe Zinsen kurbelten die Wirtschaft an, nach der Corona-Krise kam es zu raschen Nachholeffekten. Dann brach der Ukraine-Krieg aus, die Energiepreise stiegen rasant, was die Inflation weiter befeuerte. In der Schweiz hat sich diese auf aktuell 3.5 Prozent erhöht. Das ist im Vergleich zum Ausland zwar ein tiefer Wert, bereitet Politik und Wirtschaft aber dennoch Sorgen. Die SNB reagierte, beendete die Negativzins-Ära und hob vergangene Woche den Leitzins auf 0.5 Prozent an. Eine radikale Abkehr vom Kurs der vergangenen Jahre. Einige Banken – etwa die Postfinance, UBS, Credit Suisse oder Raiffeisen – erheben nun keine Negativzinsen mehr auf hohe Guthaben. Erste Banken zahlen wieder Zinsen auf Sparguthaben, allerdings auf tiefem Niveau. Reich werden Sparerinnen und Sparer nicht.
● Für den unwahrscheinlichen Fall eines Atomereignisses im Krieg in der Ukraine hat der Bund einen Führungsstab geplant.
● Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre üblichen Devisenkäufe zur Schwächung des Schweizer Frankens eingestellt. Die Notenbank hat im Zeitraum April bis Juni Devisen im Wert von fünf Millionen Franken verkauft. Es ist das erste Mal seit geraumer Zeit, dass der SNB-Devisenberg nicht mehr weiter wächst. Rückblickend lässt sich ein Trend erkennen: Im ersten Quartal 2022 hatte die SNB nur noch für 5.74 Milliarden Franken am Devisenmarkt interveniert, nachdem es im letzten Jahresviertel 2021 noch 12.63 Milliarden Franken gewesen waren. Auch nach den Devisenverkäufen des zweiten Quartals türmt sich bei der SNB aber ein Devisenberg. Aktuell beträgt dieser 884 Milliarden Franken. SRF.ch

Türkei – „Die Ukraine hat uns eine offizielle Anfrage geschickt [um die Meerenge für russische Kriegsschiffe zu schliessen]. Die Bestimmungen der Montreux-Konvention sind sehr klar und präzise. Bis heute hält sich die Türkei ohne zu zögern an die Montreux-Konvention. Es ist möglich, Massnahmen zu ergreifengegenüber den Parteien eines Krieges, an dem die Türkei nicht beteiligt ist. Die Türkei kann die Durchfahrt von Kriegsschiffen durch die Meerenge einschränken. Die Montreux-Konvention besagt jedoch auch, dass die Schiffe der an einem Krieg beteiligten Länder das Recht haben, zu ihren Stützpunkten zurückzukehren und solltendürfen“, zitierte die Zeitung Hurriyet Cavusoglu. TRT.tr

UN – Im UN-Sicherheitsrat ist eine Resolution gegen die Annexion von vier ukrainischen Gebieten durch Russland gescheitert. RBB.de

Ungarn – Am Donnerstag fand eine festliche Gedenksitzung des Parlaments zum 800. Jubiläum der Goldenen Bulle von König András II. statt. „Sie ist eine Quelle der Selbstachtung der heute lebenden Ungarn“, meinte die Staatspräsidentin, „denn sie erinnert uns daran, dass wir die Geschichte Europas nicht erleiden, sondern selbst mitschreiben“. Die Goldene Bulle sei der historische Beleg, dass die Ungarn für Freiheit und Gesetzlichkeit eintreten. Es war das erste Gesetz, in dem ein Herrscher der Einschränkung seiner Rechte zustimmte. Der ungarische Staat bewegte sich schon in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens im Einklang mit den anderen Ländern des christlichen Europas, ja er war vielen anderen Staaten sogar weit voraus, was die Entwicklung der Rechtssprechung, die Freiheitsprinzipien und politischen Innovationen anbelangte. „Der Eid unserer Amtsträger auf das Grundgesetz ist die Basis, um sie zur Rechenschaft zu ziehen, und damit ein Grundpfeiler der Demokratie. Wir verfügen über eine moderne, demokratische Verfassung, selbst wenn das manche Kleingeister in Frage stellen“, hielt Novák fest. Parlamentspräsident László Kövér kündigte auf der Gedenksitzung an, die Bedeutung der Goldenen Bulle von 1222 wolle das Parlament in einem Gesetz festhalten. Im Zeichen des Gedenkens wird der 24. April zum „Tag der Goldenen Bulle“ erklärt. MR.hu

USA – Nach grosser Verwüstung in Florida hat der Hurrikan «Ian» über South Carolina ins benachbarte North Carolina weitergezogen. Der Sturm erreichte Windgeschwindigkeiten von rund 140 Kilometern pro Stunde, schwächte sich aber allmählich ab. Dennoch warnen die Behörden weiter vor Gefahren durch Sturmfluten. In den kommenden Stunden wird er vermutlich nach Virginia weiterziehen. Mindestens 21 Personen kamen im Zusammenhang mit dem Sturm ums Leben. Der Hurrikan «Ian» ist nach Florida auch über den US-Bundesstaat South Carolina gezogen. Dort kam es zu Überschwemmungen und starken Winden.
● Die Deepfake-Technologie eröffnet für Hollywood ungeahnte Möglichkeiten: Selbst tote Schauspieler können digital auferstehen. So wurde die Technologie etwa in der «Star Wars»-Serie «The Mandalorian» eingesetzt, um den Schauspieler Mark Hamill als Luke Skywalker zu verjüngen. Es ist damit zu rechnen, dass es weitere Prominente Willis gleich tun. Aber: «Das funktioniert nur, wenn die Persönlichkeit schon erschaffen wurde und auf der Leinwand funktioniert», so Sennhauser. Also bei Stars, die im Boulevard und auf roten Teppichen präsent waren. Auf ewige Zeiten lässt sich das kaum aufrechterhalten. SRF.ch



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