Internationale Studien: Die meisten Menschen sind geographisch illiterat

Das Fach Geographie wird nicht als wichtig erachtet. In fast allen westlichen Ländern wird es vernachlässigt, in der Schule, am College, an der Universität. Schon 2002 schlug »National Geographic« Alarm. Eine internationale Studie hatte damals herausgefunden, dass es global um Geographiekenntnisse schlecht bestellt ist. Die USA waren gerade in Afghanistan einmarschiert, aber nur 17 Prozent aller Amerikaner zwischen 18 und 24 Jahren konnten Afghanistan auf der Weltkarte finden. Oder umgekehrt: 93 Prozent wussten es nicht. Noch schlimmer: 11 Prozent fanden ihr eigenes Land nicht. Rund 29 Prozent konnten nicht einmal den Pazifischen Ozean auf der Weltkarte finden.

Solche Studien gibt es immer wieder. Die Ergebnisse sind gleichbleibend schlecht. Die nicht vorhandenen Geographiekenntnisse vieler Amerikaner sind seit Jahren beliebtes Motiv von Satire und Humor. Man braucht nur ein paar Reporter an die Straße zu stellen und den Passanten eine Karte zeigen: Und schon nimmt das peinliche Drama seinen Lauf [siehe hier, hier und hier].

In Europa ist es mit den Geographiekenntnissen etwas besser bestellt als in den USA. Aber auch hier ist es alles andere als vorbildlich. Denn selbst in Deutschland läuft das Fach Erdkunde unter ferner liefen.

Das Problem in vielen Ländern, besonders in den USA: Das Fach Geographie wird in den Schulen stiefmütterlich behandelt. Und wenn geographisches Wissen nicht getestet wird, lernen die Schüler es auch nicht.

In den USA sorgt man sich bereits, dass die Ignoranz ein Sicherheitsrisiko sei. Denn wie wollen die US-Bürger die Weltpolitik verstehen, wenn sie nicht einmal die Länder auf der Karte finden? Sechs von zehn Amerikanern wissen nicht, wo der Irak liegt. Doch sie alle hatten eine Meinung zum Irak-Krieg. Wie soll das gehen?

Und wie will man Geschichte ohne Geographiekenntnisse verstehen, wenn Geschichte sich in Zeit und Raum abspielt? Räumlich heißt topographisch. Politik, Kriege, Verkehr, Handel, Landwirtschaft, Umweltschutz – alles hat eine räumliche, eine geographische, eine topographische Dimension.

In allen Staaten ist die Ursache für diesen Wissensmangel immer dieselbe: Geographie wird in der Schule vernachlässigt. Das war mal anders. Es gab Zeiten, da musste man nach dem Motto Stadt-Land-Fluss die markanten Punkte der Erde auf der Karte lokalisieren können. Damals gehörte auch das Wissen um die Grenzen von Ländern und Staaten dazu. Es war Teil der Staatsbürgerkunde und Heimatkunde. Es gehörte einfach dazu.

Für den Alltag und für das Berufsleben in der Fabrik oder im Büro sind Geographiekenntnisse – genauso wie Geschichtskenntnisse – nicht praktisch verwertbar und somit vernachlässigbar. So denken auch die Vertreter der Wirtschaft, die immer wieder mit Forderungen an die Politik und Schulen herantreten, um aufzuzeigen, was angehende Auszubildende an Wissen mitbringen sollen.

Doch es gibt auch etwas Anderes, dass mindestens ebenso wichtig ist: Geographiekenntnisse helfen, Geschichte, Politik und globale Zusammenhänger besser zu begreifen. Das jedoch scheint in den Augen Mancher nicht wichtig zu sein. Denn dann hätte man ja aufgeklärte Bürger. Und wer will das schon?

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