Schwere Verluste für Union und SPD erwartet

Das Hauptaugenmerk bei der am kommenden Sonntag stattfindenden Wahl zum Europäischen Parlament liegt bei der Zusammensetzung des neuen Parlaments. Aus deutscher Sicht aber gibt es noch einen nicht ganz unbedeutenden Nebenschauplatz. Sollten nämlich die Union – hier insbesondere die CDU – und die SPD wie in den Prognosen vorhergesagt schlecht abschneiden, könnte die Luft an der Spitze für die beiden Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer (CDU) und Nahles (SPD) noch dünner werden als sie ohnehin schon ist.
Deutschland wird 96 Abgeordnete in das Europäische Parlament entsenden. Die Union wird aktuellen Prognosen nach nur noch 28 Abgeordnete stellen (minus 6). Für die SPD werden die Verluste noch wesentlich dramatischer erwartet. Von bisher 27 Abgeordneten geht es runter auf gerade einmal 16 (minus 11). Damit wird die SPD weniger Parlamentarier stellen als die Grünen (19). Die AfD, die bisher mit nur einem Abgeordneten im Parlament vertreten war, wird 11 Sitze erhalten (plus 10). Die FDP kommt auf 10 Sitze, die Postkommunisten verlieren einen Platz und senden den Umfragen zufolge 7 Abgeordnete. Die restlichen fünf Sitze verteilen sich auf Klein- und Splitterparteien wie die Freien Wähler oder die selbsternannte Satiretruppe »Die Partei«. Selbst die Tierschutzpartei und die Piraten werden aller Voraussicht nach im neuen EU-Parlament vertreten sein.
Vor allem aber bedeutet diese Prognose einen weiteren Niedergang der selbsternannten Volksparteien Union und SPD, die bei der Wahl 2014 gemeinsam noch fast 63 Prozent der Stimmen (Union 35,3 / SPD 27,3) auf sich vereinen konnten. Jetzt schaffen sie gemeinsam mit Mühe die Grenze von 43 Prozent (Union 28 / SPD 15,5). Das ist ein Ergebnis, welches möglicherweise Folgen nach sich ziehen wird. Die Stimmen, die eine Ablösung der jetzigen Vorsitzenden sowohl in der CDU wie auch in der SPD fordern, mehren sich und werden vernehmlich lauter.

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