Gemeinsinnfunk-Reform: Umstieg auf Opel Intendant

Erste Innenansicht des neuen Opel “Intendant” mit Gartenstuhlsitz und karger Kunstleder-Ausstattung.

Zwischen Mooswand und Massagesessel, 300.000-Euro-Gehaltsentschädigung und drei Führungsposten bei drei Millionen-Unternehmen, die Millionen Deutsche zuverlässig mit alten Filmen, ausgesuchten Nachrichten und handverlesenen Meinungen versorgen, hat sich Patricia Schlesinger über Jahre aufgerieben. Der Dank ist nun pure Hetze, die selbst vom Berufsverband der früheren Journalistin befeuert wird. Das “mutmaßlich luxuriöse Treiben auf Kosten von Beitragszahlenden und letztlich auch auf dem Rücken der Mitarbeitenden und des Programms” prangert der Journalistenverband an, dessen solidarische Haltung zum Verschwendungsfunk bisher als manifest galt. 

Mobile Reformen

Luxuriöses Treiben” soll es künftig nicht mehr geben können dürfen. Die – überwiegend männlichen – Beitragenden zur Schlesinger-Affäre sind fest entschlossen, das Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit “Reformen” (Tom Buhrow) schnellstmöglich wiederzuherstellen. Erste Konsequenz aus der überraschenden Entdeckung von Massagesitzen auch in den Dienstwagen von anderen ARD-Intendant*innen und -Intendantenden könnte ein Wagenwechsel im gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunkbereich sein. Gerade am Wagenpark der Intendanz hatten sich viele Emotionen entzündet. Erklärte Feinde des öffentlich-rechtlichen Systems nutzen die Verfehlungen Einzelner, um das gesamte bewährte System als “teuer, staatsnah und unkontrollierbar” (MDR) zu bezeichnen.

Das Wasser auf die Mühlen der Populisten würde sofort versiegen, käme es zur Mobilitätswende bei ARD, ZDF und Deutschlandradio. Statt der bisher vorgeschriebenen Audi A7 und A8 mit Chauffeuren könnten ersten Überlegungen zufolge künftig Fahrzeuge aus den Fabriken des kriselnden Herstellers Opel zum Einsatz kommen. Dort waren in der Vergangenheit Modelle wie der Opel “Kapitän” und der Opel “Senator” gefertigt worden, die in ihren großen Jahren als “Träger der Goldenen Stoßstange” galten.

Gartenstuhl statt Massagesitz

Ein Wechsel von den Protzmarken Audi und BMW zu Opel, einer volksnahen Marke, die seit Jahrzehnten mit dem Slogan “Jeder Popel fährt ‘nen Opel” wirbt, wäre ein kleine Revolution. Entwickler in Rüsselsheim tüfteln derzeit jedenfalls an einem betont bescheidenen Viersitzer mit dem Namen “Opel Intendant”. Neben einem kargen Gartenstuhl im klassischen Stapelstuhl-Design als Fahrersitz (Prototyp oben) verfügt das Auto über einen Schutzschirm gegen den Generalverdacht, “dass in der Chefetage unkontrolliert gehandelt wurde” (Buhrow). Dazu nutzt der Opel Intendant  eine Tarneinrichtung  gegen verschwundene Millionen. Auf der Karosse aufgebracht sind zudem Bilder und Parolen in leichter Sprache, die die besondere moralisch- und politische Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Klavierkonzert der  der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung deutlich herausstellen. 

Ein Glasdach, das beim Opel Intendant ab Werk und ohne Aufpreis geliefert wird, steht dabei für Kontrolle und Transparenz von außen, eine Handbremse ermöglicht es,  auf unruhiger Strecke per U-Turn umzukehren, ohne Gehaltseinbussen befürchten zu müssen. Seit das Bundesverfassungsgericht in einem vielbeachteten Urteil zum Anspruch der 76 Sender der Grundversorgung entschieden hatte, dass das Recht auf freie Fahrzeugwahl bei öffentlich-recht­lichen Rundfunkintendanten Teil der inneren Pressefreiheit ist, galt eine aufsichtslose Mittelverwendung für mobile Zwecke eigentlich als mit der Zuweisung durch die lange widerstrebende Staatskanzlei in Magdeburg genehmigt.

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