Niedergang der Traditionsgeschäfte

Weltweit gleichen sich die Städte an. Statt landestypischer oder lokaler Geschäfte, Cafés und Restaurants erobern die internationalen Geschäftsketten die Städte. Die »City Center«, »Shopping Malls«, Einkaufspassagen und Hauptgeschäftsstraßen werden einander immer ähnlicher, weil überall die gleichen Geschäfte und Marken zu finden sind. Größere Auswahl? Größere Vielfalt? »Diversity«? Von wegen. Alles ist gleich, alles ist monoton geworden. Ob in Dubai, New York oder Hongkong, überall die gleichen Waren.

Und innerhalb Deutschlands ist es noch extremer. Die Traditionsgeschäfte verschwinden. Der Tante-Emma-Laden gehört der Vergangenheit an. Die Bäckereien, Konditoreien, Metzgereien, Fachgeschäfte oder kleinen Boutiquen verschwinden aus dem Stadtbild. Stattdessen bereiten sich die Ketten aus.

Wie das zur Monotonie beiträgt? Nehmen wir das typische Café mit Kaffee und Kuchen. Deutsche Cafés mit angeschlossener Bäckerei, wo es von Bretzeln bis zur Schwarzwälder Kirschtorte alles hausgemacht und frisch gibt, werden immer seltener. Stattdessen breiten sich Ketten wie Starbucks aus. Was sollen Touristen auch China, Japan, den USA oder Australien denken, wenn es in Deutschland statt deutscher Kuchen- und Tortenauswahl nur die Cookies von Starbucks gibt, die sie schon von zu Hause her kennen?

Schauen wir zum Beispiel nach Berlin: Wenn Touristen aus Asien oder Amerika am Flughafen Tegel landen, können sie bereits dort am Flughafen bei Starbucks ihren ersten Kaffee trinken. Wer dann am Hauptbahnhof ankommt, wird ebenfalls von Starbucks begrüßt. Desgleichen kann der Tourist gleich mehrfach bei Starbucks einkehren: egal ob am Brandenburger Tor, in der Friedrichstraße oder am Kurfürstendamm: Starbucks ist einfach überall, wo es Sehenswürdigkeiten gibt. Amerikanische oder asiatische Touristen können kreuz und quer durch Berlin Sightseeing machen und ständig Kaffee im Starbucks-Café trinken, ohne jemals ein authentisches deutsches Café mit »German Schwarzwaldtorte« oder Apfelstrudel erlebt zu haben.

Das kommt davon, wenn die Binnenwirtschaft vernachlässigt und der Wind der Globalisierung ins Land gelassen wird, ohne auf die Folgen zu achten. Die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten. Aber sie lässt sich gestalten. Doch wenn man internationalen Konzernen das Feld überlässt und die demokratischen Entscheidungen nach Brüssel abgibt oder internationalen NGOs überlässt, dann verlieren alle Länder, alle Kulturen, alle Regionen ihr individuelles Gesicht. Bund ist das nicht. Auch wenn man es uns als bunt verkaufen will.

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