Die Signalfabrik der Welt: Zeichen setzen mit Symbolen

Bundessignal- und zeichenfabrik BSZF
In den großen Produktionshallen der Bundessignal- und Zeichenfabrik (BSZF) darf aus Geheimschutzgründen nicht fotografiert werden. Hier zumindest ein Blick in den zwei Kilometer langen unterirdischen Zugang zum Hauptgebäude.

Zurückbauen, auslaufen lassen, abdrehen, herunterfahren, aussteigen. Bei ihren gemeinsamen Treffen unter verschiedenen Namen und in jeweils leicht abweichender Zusammensetzung haben die Führer der freien Welt und ihre teils fragwürdigen Demokratien vorstehenden Gäste die Weichen gestellt auf zahllose neue Signale, die ein Zeichen setzen sollen für den Aufbruch in einer neue Welt. Anfangs noch hatte Bundeskanzler Olaf Scholz die Erwartungen an den G7-Gipfel gedämpft: Man könne dort keine Berge versetzen, betonte der Kanzler. Aber wenn schon keine Wunder, dann doch eben diese berühmten Zeichen.

Zentrum der Zeichen

Das geht immer, denn Deutschland ist nicht nur eine der führendsten Exportnationen und ehemaligen Serienweltmeister in der Warenausfuhr, sondern auch die Signalfabrik der Welt. Eine wenig bekannte Tatsache, die von Bundesregierungen gemeinhin auch nicht an die große Glocke gehängt wird. Staats- und Regierungschefs vereinnahmen gern selbst, was in den weiten Hallen und langen Fluren der Bundessignal- und Zeichenfabrik (BSZF) geliefert wird. Das sind mal Signale der Solidarität, mal welche der Geschlossenheit. Manchmal werden Zeichen gesetzt, die keine Zweifel an der Entschlossenheit lassen. Dann wieder erstrahlen Symbole in symbolischen Farben, um Gemeinsamkeit zu illuminieren und damit auch gleich klare Kante zu zeigen.

Hervorgegangen aus der 1848 gegründeten königlich-sächsischen Signalmunitionsfabrik Schlösser und Nachf., die schon König Friedrich August III. mit Tuchbändern, Fahnen und Tischornamenten belieferte, ist die heutige Bundessignal- und Zeichenfabrik eine der größten Produktionsstätten ihrer Art weltweit. Zwar verfügen auch Russland, China, die USA und Frankreich über entsprechende – zumeist ebenfalls staatliche – Unternehmen. Die aber produzieren überwiegend nationale Symbole, bunte Fähnchen, Winkelemente und Borten in Landesfarben. Virtuelle Freiheits-, Friedens- und Klimazeichen gelten in den zentral geführten Staaten als Nebenprodukte. Es sind dort die jeweiligen Präsidenten, die sich traditionell das Recht vorbehalten, Zeichen zu setzen und symbolisch tätig zu werden.

Von den Russen enteignet

Noch im Dritten Reich hatten auch Schlösser und Nachfahren mit Sitz in Sornzig-Ablass bei Mügeln in der Nähe von Ostrau bei Zschaitz-Ottewig eine ähnliche Funktion. Von den Russen nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der Naziverbrechen enteignet, wurde der Betrieb 1949 volkseigen, zu diesem Zeitpunkt waren die verbliebenen Mitglieder der Familie Schlösser bereits in die späteren alten Bundesländer geflüchtet. Im Osten schlug die junge DDR den Traditionsbetrieb ihrem Dewag-Werbeimperium zu. Hier liegen auch die Wurzeln der Zusammenarbeit der heutigen BZSF mit der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) in Berlin, die damals Stammbetrieb des Kombinates VEB Geschwätz war.

In jenen schweren Aufbaujahren unter Anleitung strammer kommunistischer Kader sortierte sich der VEB Signal- und Zeichenwaren neu. Weil der Materialmangel zum täglichen Brot 650 Mitarbeitenden, darunter mehr als 400 Frauen!, gehörte, wurde das Produktionsprofil sukzessive erneuert: Statt physischer Waren wie Fähnchen, Wimpel, Medaillen und Banner verlegte sich der im Volksmund nur VEB Signal genannte Großbetrieb mehr und mehr auf virtuelle Produkte, die bereits in den 60er und 70er Jahren weitgehend klimaneutral, nachhaltig und erneuerbar hergestellt wurden. 

Jeder Sack Mais

Plane mit, arbeite mit, regiere mit”, “Jeder Sack Mais ein Schlag gegen den Klassenfeind”, “Mein Arbeitsplatz – Mein Kampfplatz für den Frieden!” und “So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben!” sind Klassiker aus der einstigen Schlösserwerkstatt, die auch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl überzeugten, der nach der Übernahme der DDR im Jahr 1990 auch nicht lange zögerte, den VEB Signal ins Unternehmensportfolio des Bundes einzugliedern.

Kaum bekannt, nur wenig gefördert und öffentlich meist unterschätzt, hat sich das nun als Bundessignal- und Zeichenfabrik zum Ministerium für Wahrheit in Berlin gehörende Unternehmen zur Herzkammer der weltweiten Signal- und Zeichenproduktion entwicklet. Obgleich im Vergleich mit den DDR-Zeiten auf nur noch 372 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesundgeschrumpft, produziert die BSZF nach Berechnungen des IWF und der Weltbank derzeit etwa 67 Prozent aller global verwendeten Signale und deutlichen Zeichen.  Für den Kampf gegen Russland hat die EU-Kommission sogar noch weit höhere Werte errechnet. Danach kommt die kleine Firma, die weiterhin in Sornzig-Ablass bei Mügeln in der Nähe von Ostrau bei Zschaitz-Ottewig sitzt, auf rund 86 Prozent aller Zeichen zu diesem Thema – auch dank der unzähligen angeschlossenen Sendeanstalten, die jedes kleine Signal und jedes schöne Symbolbild begeistert in die Wohnzimmer der Empfänger transportieren.

Großkampftage in der Signalfabrik

Tage wie die von G7-Gipfel, Nato-Gipfel und Umweltgipfel sind selbstverständlich immer Großkampftage für die BSZF. Jetzt gilt es, ein für allemal Zeichen gegenüber Autokratien wie China und Russland zu setzen, jetzt müssen die Bilder inszeniert werden, die auf jeden Fall bleiben. Der überdimensionale Strandkorb an der Ostsee, in dem Angela Merkel einst zwischen dem fröhlich lachenden George W. Bush und dem verlogen blickenden Wladimir Putin Platz nahm, um den Weltfrieden zu erhalten, stammte zwar aus einer Mecklenburger Strandkorbflechterei. Die Risszeichnungen für das zeichen, das vor 15 Jahren um die Welt ging und Mneschen aller Hautfarben begeisterte, stammte allerdings aus der BSZF.

Lange ist sie her, diese Zeit, die heute wie eine Idylle ohne Probleme wirkt. Mit naiven Zeichen wie dem des kumpelnden Trios im Korb ist heute kein Punkt mehr zu machen, der Kanzler selbst hatte schon vor Wochen wissen lassen, dass er nicht nur für Fototermine durch die Gegend reise. Es braucht vielmehr Signale, Zeichen müssen gesetzt und Grenzen gezogen werden, um die Probleme der Welt symbolisch anzugehen. Den G7-Gipfel konnte Olaf Scholz dank der hervorragenden Vorarbeit der BSZF nutzen, um Ausrufezeichen in den globalen Raum zu stellen: Ukraine, Inflation, Klima, Hunger, die drohende nächste Euro-Krise, die Abhängigkeit von Ölimporten und unmenschlichen Regimen, die die Menschenrechte höhnisch mit Füßen treten und ihre Nachbarstaaten mit Krieg überziehen, all das prangerten der Sozialdemokrat und seine Kollegen mutig und kompromisslosan.

Wachsende Verbreitung

Steigende Preise und verschärfte Hungersnöte, der Klimawandel, der den Krieg um die Aufmerksamkeit selbst in Deutschland zu verlieren droht, die Pandemie, die Ursula von der Leyen zwang, nach einem maskenlosen Auftritt beim G7-Gipfel für den Umweltgipfel der EU wieder zu einer FFP2-Maske zu greifen – durch die breite Sättigung der Landschaft mit Signalen für Dürre, Temperaturrekorde, steigende Preise, Lebensmittelknappheit, Hitze und die aggressiven Angriffe der Atommacht Russland werden Unsicherheit, Unzufriedenheit und Instabilität in den Bevölkerungen der Empfängerstaaten vermieden.

Es ist die Aufgabe der G7, dem mit mehr als mit einem lauen Statement zu begegnen. Deutliche Zeichen machen klar, dass sich gekümmert wird, mit neuen, schärferen Zielen, mit noch weitaus harscheren Sanktionen und betonter Einigkeit aller mit allen bei gleichzeitiger Diversität der Ansichten zu Fragen von allgemeinem Interesse. Die Bundessignal- und Zeichenfabrik jedenfalls macht ihrem Ruf in diesen Wochen der verstärkten Mobilisierung gegen das, was die alte Reiche der Menschen von außen bedroht, alle Ehre: Symbolisch stehen die G7-Staaten im Kampf gegen alle Krisen zusammen, im gemeinsamen Kampf gegen die sich verschärfende Lage der Weltwirtschaft streiten sie Schulter an Schulter, eine grüne Armee mit Heerführer in dunklen Anzügen, die sich symbolisch füt acht Milliarden Menschen sorgen und kümmern.

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