Ware Kunst braucht wahre Gunst

Autor: Manfred Tisal Bild: – Lizenz: –


Was Kunst ist, bestimmt das Auge des Betrachters. Kunst zu definieren, fällt insofern schwer, als nicht die Qualität eines Werkes, sondern eine Lobby von Finanziers und Mäzenen bestimmt, was Kunst ist oder nicht. Was sich in den letzten Jahren in punkto Kunstgeschehen getan hat, stimmt bedenklich und lässt diese Schlüsse zu. Kunst der Gegenwart fußt vielfach nicht mehr auf Können, sondern auf Ideen, Neues zu machen oder zu gestalten. Neue, wenn auch noch so absurde Ideen sind oft Garanten für die Wertbestimmung eines Kunstwerks. Worin liegt sonst die Kunst, eine Leinwand mit Tierblut oder Farbe zu beschütten, um dann das Schüttwerk teuer zu verkaufen. Hermann Nitsch war einer, der das Geschäft mit der Kunst hervorragend verstanden hat. Und Banksy, der ein Bild mit wenig Aussagekraft bei einer Ausstellung geschreddert und damit den Wert immens gesteigert hat.

In früheren Zeiten musste man keinen Künstler fragen, was er mit seinem Bild darstellen wollte. Man hat es gesehen. Heute beschränken sich viele Künstler auf „das Wesentliche und Minimalistische“, wenn sie auch oft selbst nicht wissen, welchem nicht wesentlichen Ganzen sie das Motiv entnommen haben. Auch die Kunst des Schreibens lässt die Vermutung zu, dass es nicht so sehr um das Beherrschen einer Sprache, deren Grammatik und die Ausdrucksform geht, sondern darum, den Lesern das Lesen zu einem Verwirrspiel von möglichen und unmöglichen Gereimtheiten und Ungereimtheiten zu machen. Endlos aneinandergereihte Wortfetzen und Phrasen scheinen modern zu sein und wecken fast zur Verpflichtung, den Autor zu bepreisen. Voraussetzung ist, es kommen die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs darin vor, was den Schluss zulässt, dass die „linksgerichtete“ Gesellschaft sich anmaßt zu bestimmen, was Kunst ist. Was jedoch bei all der Kritik an der Kunst am wichtigsten erscheint, ist die Kritik selbst. Kunst muss nicht gefallen und muss auch nicht bewertet werden.

Kunst muss auffallen, anecken, erschrecken, beleidigen, skandalisieren und aufmerksam machen. Worauf, das liegt im Auge des Betrachters und an den Geldbörsen der Mäzene. Sie sind die wahren Künstler die es hervorragend verstehen, auch aus dem was nur scheinbar keine Kunst ist, Wa(h)re Kunst zu machen. Hand auf´s Herz. Wer hat es noch nicht probiert, Farbe und Pinsel zur Hand zu nehmen. Auch ich. Mein Thema war das Chaos von Fukoshima. Es wurde „Fukoschlimmer“ daraus. Und aus einer Versteigerung bei Sotheby´s wird wohl nichts.

Manfred Tisal ist Kabarettist, Moderator, Autor und Journalist.

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