Deutschlands Panzerkatzen: Hass aus allen Rohren

ZDF Deutschland Waffen Ukraine
Kaum hatte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht Deutschlands Waffenlieferungen ins Kriegsgebiet umfassen eingestanden, wurde Kritik an ihren anzüglichen Thesen über “große Rohre” laut.

Sie kann inzwischen tun, was sie will, versuchen, was sie kann, und sagen, was sie weiß. Doch Deutschland Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wird einfach nicht warm mit den Volksmassen. Und aus denen schlagen der SPD-Politikerin immer wieder und immer öfter offene Ablehnung, Kritik, Hohn und Verachtung entgegen. Als linkische “Verteidigerin in Stöckelschuhen” wird sie dann verächtlich gemacht, als “schwache Ministerin” kritisiert oder es wird ihr Durchsetzungsvermögen angezweifelt, weil der Bundeskanzler selbst sich das Vorrecht vorbehalten hat, die 100 Milliarden Sonderschulden außerhalb des regulären Haushaltes für die Bundeswehr auszugeben.

Kampf ums Überleben

Lambrecht aber kämpft, eine Löwin, die um ihr Revier und damit um ihr Überleben streitet. Klug hält sie an mancher Front stand, clever gibt sie an anderen Abschnitten der Verteidigungslinie nach, um die Versorgungswege zu verkürzen und das Risiko von schweren Treffen zu vermindern. Zuletzt gab ihr Ministerium wegen der anhaltenden Kritik um die deutsche Geheimniskrämerei um gelieferte und nicht gelieferte Waffen tatsächlich Listen heraus, auf denen der Russe genau nachlesen kann, welche Produkte aus deutschen Waffenschmieden und Waffenlagern die Ukraine ins Feld führen kann.

Fliegerfäuste aus der Sowjetunion,  Panzerfaust-Ladesätze, Bunkerfäuste und Munition, Zünder, Helme und Bekleidung, Kleinbusse, Geländewagen, Zelte, Fernrohre, Schlafsäcke und Schießbrillen, damit sich niemand im Gefecht am Auge verletzt, bilden das Gros der Spenden. Doch es sind eben auch sieben der berühmten Geparden dabei, Schwerewaffen, die aus einer Zeit stammen, als noch nicht gegendert wurde. Offen hat Christine Lambrecht die Lieferung eingeräumt, bei Hetzern, Hassern und Zweiflern damit aber nicht für Beruhigung, sondern für neuen Alarm gesorgt. 

Keine Kabelbeißer für die Ostflanke

Klar hatte Lambrecht es abgelehnt, Marder an die Ukraine zu liefern, das Tier, das Familie hundeartiger Raubtiere gehört, ist als “Kabelbeißer” berüchtigt und könnte die bereits gelieferten Kleinbusse und Geländewagen beschädigen, noch ehe sie ins Gefecht geführt werden. Ebenso handelten andere Länder, auch die, bei denen Marder gar nicht zur Heeresausstattung gehörten. Stattdessen liefere Deutschland ja “Geparden”, sagte Lambrecht und sie erklärte für die mit den zoologischen Zusammenhängen in der Familie der Acinonyx jubatus nicht so vertrauten Bürgerinnen und Bürger: “Der Gepard ist kein Panzer. Der Gepard ist ja dafür da, Infrastruktur zu schützen dadurch, dass er dann mit diesem Rohr in die Luft schießt.”

Eine Einladung an alle Halbexperten, über die 57-jährige Juristin herzufallen.  Großes Mundwerk, heiße Luft, keine Ahnung, fünfjähriges Kind, Nachrichten in leichter Sprache oder sensationell peinlich – in den sozialen Netzwerken tagten die Schnellgerichte, um den Stab über der Mannheimerin, die bis zu ihrem 33. Lebensjahr studierte und sich nach einer kurzen Unterbrechung als Erwerbstätige bereits ab ihrem 36. Lebensjahr als Bundestagsabgeordnete vollumfänglich in den Dienst der/des Steuerzahler:/&_ins stellte. Lambrecht aber hat vollkommen Recht: Geparden wie auch Gepardinnen sind keine Panzer, sondern Raubtiere, die zur Familie der Katzen gehören. Der nächste Verwandte der Gepard*in ist deshalb auch der amerikanische Puma, nicht der deutsche. 

Korrekte Kompetenz

Zoologisch und animalisch muss sich Christine Lambrecht nichts vorwerfen lassen. Ihr Auftritt im Deutschen Bundestag zeugt viel mehr von korrekter Kompetenz und dem nur wenigen Menschen eigenen Vermögen, komplexe Sachverhalte mit Gesten zu untermalen, deren Eleganz direkt an die übervolle Körpersprache des legendären chinesische Xiqu-Theaters anknüpft. Bei dem “Rohr”, das Lambrecht anspricht, handelt es sich offenbar um ein Hilfsmittel des afrikanischen Raubtieres, das der Durchführung der auf dem früheren schwarzen Kontinent ehemals weitverbreiteten Parxis des “Schnackselns” dienen könnte. Die Verteidigungsministerin hat das nicht weiter ausgeführt. Dafür aber, dass der Gepard “in die Luft schießt und dann sehr weit auch Objekte erfassen kann”, im Grunde genommen wie eines der 125 Doppelfernrohre, die sich die Bundeswehr vom Munde abgespart hat, um den künftigen “Waffenbrüdern” (n-tv) das Durchhalten bis zum Tag der Entkräftung beider Seiten zu erleichtern.

Hier hätte Kritik ansetzen können, denn wenn Christine Lambrecht Gepard und Marder mit dem Satz “beides schwer, beides große Rohre” vergleicht und zum Schluss kommt, der eine sei kein Panzer, der andere aber doch, weil der Gepard mit seinen 35-Millimeter-Maschinenkanonen auf 15 Kilometer Entfernung  treffen, der Marder aber gerade mal allerhöchstens sieben Kilometer weit schießen kann, dann verlässt sie den sicheren Boden der zoologischen Wissenschaften. Für keine der fünf bekannten Unterarten des Gepard*in sind Befruchtungsversuche über solche Strecken  bekannt, auch beim Marder, zu dessen Familie unter anderem auch Otter, Dachs, Iltiss, Nerz und Wiesel gehören, haben Geforschthabende und Forschende bis heute keine derartigen Fähigkeiten entdecken können.

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