Woke Bücher auf der Bestseller-Liste 

Von Anna Graalfs | Als große Leseratte bin ich natürlich auch auf Instagram unterwegs, um mir Empfehlungen zu holen und über neue Veröffentlichungen Bescheid zu wissen. Das Ganze wird auch “Bookstagram” genannt. Einige sehr gute Bücher habe ich durch diverse Instagramkontenkennengelernt. Doch obwohl ich eigentlich eher nach Klassikern oder Geschichtsfiktion suche, werden mir ständig Posts über gesellschaftspolitische Bücher mit schockierenden Titeln und fraglichen Inhalten vorgeschlagen…

Eines der wohl bekanntesten Social-Justice-Warrior Bücher im Internet ist “Why I No Longer Talk To White People About Race”, ein Sunday-Times Bestseller, von Reni Eddo-Lodge. Normalerweise bin ich bei meiner Lektürewahl nicht gerade von Vorurteilen geprägt, doch bei diesem Exemplar musste ich nicht einmal den Klappentext lesen, um zu wissen, dass es mir nicht gefallen würde. Der Marketingversuch “mit einem provozierenden Titel den Käufer ansprechen” ist hier zumindest bei jedem halbwegs vernünftigen, klardenkenden Menschen sicherlich nach hinten losgegangen… Ich glaube der Titel schreckt mehr Leute ab, als dass er sie anziehen soll. Was eigentlich erst gegen meinen Willen war, habe ich dann doch gemacht, als ich Lust hatte so richtig in Rage zu geraten und gleichzeitig vor Lachen nicht mehr atmen zu können: Mehrere Passagen aus dem Buch durchzulesen. Der Inhalt unterscheidet sich nicht wirklich von anderen extrem-woken Einstellungen und war daher nichts Neues. Vielmehr fasst dieses Buch alle Erkenntnisse der SJW’s im Besserwisser-Ton zusammen und stellt insgesamt in meinen Augen eine Art “Bible Of Wokeness” dar. Denn ja, es geht nicht nur um Rassismus. Feminismus, Kultur und Wirtschaft werden alle mit Rassismus in einen Topf geschmissen und kräftig zu einer dicken Masse die “Diskriminierung!” schreit vermischt. Die allbekannte “White Supremacy” oder das “White Privilege” sind natürlich auch mit von der Partie im Debut-Buch der Britin. Der beste Part ist aber wo Eddo-Lodge gefühlsvoll über ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus reflektiert: Being constantlylooked at like an alien in the country you were born in requires true tolerence.” Ich würde nicht behaupten, dass diese Toleranz bei ihr auch vorhanden ist, wenn es darum geht, gesellschaftliche Themen wie zum Beispiel Rassismus mit jedem diskutieren zu können, abgesehen von Geschlecht, Beruf und vor Allem: Hautfarbe. (Deswegen habe ich mich jetzt ganz frech zu dem Thema geäußert, Reni)

Ein anderes super-wokes Buch, welches Gott sei Dank noch nicht so bekannt ist, andererseits aber eigentlich in die Schlagzeilen gesprengt haben sollte, ist “I Hate Men” von Pauline Harmange. Es jetzt nicht mal “Why I Hate Men”, dann hätte ich vielleicht noch mal ein halbes Auge zudrücken können. (oder ¼ Auge) Die Verleger und der Buchhandel konnten da anscheinend drei Augen zudrücken, denn das Buch ist überall problemlos erhältlich. Drehen wir den Spieß doch mal um: Ein Mann, am betsen noch ein 45-jähriger Weißer, schreibt ein Buch mit dem Titel: “I hate Women”. Die Medien, das ganze Internet würden durchdrehen, den Verstand verlieren, Mysogonie schreien. Und zurecht! Doch warum passiert das nicht wenn der Fall genau umgekehrt ist? Tja, es ist momentan nun mal Trend Männer zu hassen. Ich konnte mich hier nicht überwinden Passagen aus dem Buch zu lesen, aber einige Rezensionen kamen mir unfreiwillig unter die Augen. Eine Leserin schrieb unironisch: “Wundervolle Misandrie!” Wo bleibt unsere Cancel-Culture eigentlich jetzt? Aus einer Review habe ich gezogen, dass Kindergarten-Logik im Buch omnipräsent ist: Wenn Männer aufhören würden “uns” zu hassen, könnten “wir” auch aufhören sie zu hassen. Anscheinend schreit das Buch im Großen und Ganzen “das böse Patriarchat!”, obwohl wir meiner Meinung nach mindestens seit der Einführung des Wahlrechts für Frauen nicht mehr in einem solchen leben. Auch in diesem Buch sind also keine “woken News”, die mich noch sonderlich überraschen könnten. Die meiste Zeit muss ich laut über diese Bücher lachen, doch manchmal erschreckt es mich zutiefst, dass sie eine so große Reichweite haben und bestimmte Instagram-Aktivisten in ihren linksradikalen Meinungen bekräftigen

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