Katholikentag in Stuttgart: Der Bundesverzeihungspräsident

Der Bundespräsident auf dem Katholikentag in Stuttgart. Er ist kein gläubiger Katholik. Sagen muß er aber etwas. Er ist der Bundespräsident. Was bietet sich da an? Eine oberflächliche Verbal-Jonglage mit den christlichen Tugenden, vielleicht? Wenn man sagt, es täte einem etwas leid, dann müssten sie einem doch eigentlich verzeihen, diese Katholiken, oder? Die lassen sich bestimmt leicht austricksen, wenn man den Tonfall trifft, den sie gern haben. Pustekuchen!

von Max Erdinger

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach über Verwerfungen in der Gesellschaft. Die Pandemie habe Spuren hinterlassen, meinte er, sagen zu sollen. Eine Binsenweisheit. Als nächstes plädiert er für Gespräche mit denen, die „man“ – wer? – „verloren“ habe. Der Schlüsselsatz: „Man muss vielleicht manches, was angerichtet worden ist, einander verzeihen.“ Wo hat „man“ das schon einmal gehört? – Bingo: Ex-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist es gewesen, der in der Anfangsphase der „Pandemie“ meinte: „Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“ – Es ist erstaunlich, wieviele unausgesprochene Lügen ein deutscher Politiker in einem einzigen kurzen Satz unterbringen kann. Wäre es nicht so ekelhaft, müsste man fast von Kunstfertigkeit sprechen.

Analyse

Man …“: Hier spricht der erste Mann im Staate, was aber gerade egal ist, weil „wir hier“ beim Katholikentag – und deshalb gerade unterschiedslos „Gläubige“ sind, meine Brüder & Schwestern. Vergesst jetzt mal irgendwelche weltlichen Hierarchien, auch wenn die der Grund dafür sind, daß ich der Redner bin – und ihr, meine Brüder & Schwestern, die Zuhörer.

„Man muß vielleicht …“: Wenn „man“ etwas nur vielleicht muß, dann hätte „man“ vielleicht gar kein Wort darüber verlieren müssen, weil „man“ es ja ebenso vielleicht auch nicht müssen könnte.

„Man muß vielleicht manches …“: Vielleicht ist das, was „man vielleicht“ muß oder vielleicht nicht muß, „Manches“. Vielleicht auch nicht. In dem Fall wäre es dann „manches Andere“.

„Man muß vielleicht manches, was angerichtet worden ist …“: Der Vorteil von manchem, das angerichtet worden ist, ist der, daß „man“ keinen benennen muß, der es angerichtet hat. Es wurde eben angerichtet. Von wem? – Keine Ahnung. Vielleicht muß „man“ annehmen, daß es der Wrschtlpfrmpft gewesen ist. Was hätte der dann angerichtet? Manches, das angerichtet worden ist. Weswegen man vielleicht etwas muß. Vielleicht auch nicht.

„Man muss vielleicht manches, was angerichtet worden ist, einander verzeihen„: Ah, jetzt aber! Jeder und alle zusammen haben manches angerichtet, das „man“ sich verzeihen müssen könnte, vielleicht. Wie drückt man das aus? – Bingo: Mit einem „einander“.

Was der präsidiale Ehrenkatholik des Tages wahrscheinlich – vielleicht auch nicht – meinte, war: Ich will versuchen, mit der Behauptung durchzukommen, daß ich denen vielleicht verzeihe, die ich verloren habe. Das könnte klappen. Ich habe schon meinem Schlüsselbund verziehen und meinem Personalausweis. Diese Verlorengeher haben vielleicht Verzeihung verdient für manches, das angerichtet wurde. Für manche angerichtete Sucherei zum Beispiel. Für manchen Versuch, sich nicht verarschen zu lassen und stattdessen selber zu denken, vielleicht nicht. Na ja, egal. Jedenfalls Verzeihung. Wir sind schließlich auf dem Katholikentag. Da kommt „Verzeihung“ besser, als im Bundestag oder im Verteidigungsausschuß. Auf dem Katholikentag schlägt die Verzeihung ein wie eine Bombe. Und niemand darf etwas dagegen haben, ohne daß er damit manches Unkatholische anrichtet.

Hoffentlich wurde mit dieser Interpretation des präsididalen Satzes nicht manches angerichtet, das mir der oberste Einander im Staat vielleicht verzeihen müssen könnte, wenn der Katholikentag vorbei ist und die Zivilreligösen wieder das Zepter schwingen.

Manches

Peinlich für den Herrn Bundespräsidenten ist, daß gar nicht „manches“ angerichtet wurde, sondern „so manches“. Es ist ein Unterschied, ob man einem steilen Zahn auf die Frage, woran man denkt, teilnahmslos antwortet mit „an manches“ oder ob man spitzbübisch sagt „an so manches“. Was die „Pandemie“ angeht, ist gut bekannt, wer genau „so manches“ angerichtet hat – und was es genau ist.

  1. So manche Impfnebenwirkung bei Hunderttausenden und so mancher Todesfall nach Impfung.
  2. So manche wirtschaftliche und psychische Schäden bei Hunderttausenden durch die „Maßnahmen“.
  3. So manche Fundamentalspaltung der Gesellschaft in solche, die eigenverantwortlich leben wollen und solche, die lieber Staatsmündel sein wollen. So manche Spaltung von Familien und Freundeskreisen.
  4. So manches gebrochene Versprechen der Politik: „Nur zwei Wochen“, „es wird keine Impfpflicht geben“, „die Impfung ist unsere Rettung“, „die Impfung ist sicher“ usw.usf.
  5. So manche Schleifung von Grundrechten, z.B. des Grundrechts, sich ohne Anmeldung friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
  6. So manche Verleumdung von Selberdenkern als Verschwörungstheoretiker.
  7. So manche komplett schwachsinnige Anordnung und Allgemeinverfügung.
  8. So manche Schädigung des Immunsystem der „die Menschen“.
  9. So manche hemmungslose Selbstbereicherung von „Volksvertretern“ und deren Freunden (Maskendeals).
  10. So manche gefälschte und irreführende Statistik.
  11. So manche gekauften Presseartikel.
  12. So manche Drohung von „Volksvertretern“ gegen so manchen Teil des Souveräns.
  13. So manche Zensur von Berichten, die den staatspropagandistischen entgegenstanden.
  14. So manche Ausschlüsse Gesunder aus dem gesellschaftlichen Leben.
  15. So manche kognitionspsychologisch fein ausgetüftelte Panikmache – u.v.a.m.

Angerichtet worden ist „so manches“ von Politikern, Medizin-, Gesundheits -, Wissenschafts- und Pharmafunktionären, Experten, Bürokraten und Technokraten sowie von „so manchen“ Presse- und Fernsehleuten. Bei einem Katholikentag könnte man sich daran erinnern, daß auch von den amtskirchlichen Würdenträgern „so manches“ angerichtet wurde, als sie die Gotteshäuser für den Besuch von solchen gesunden Gläubigen geschlossen hielten, die sich dem hysterischen Regelungs- und Maßnahmenwahn nicht beugen wollten im Vertrauen darauf, daß es ohnehin der Herr ist, der nimmt, was er gegeben hat. Dennoch könnte man bei einem Katholikentag verzeihen, wenn man sich vor Augen hält, daß dem Herrn ein reuiger Sünder lieber ist, als zehn Gerechte. Aber wäre er denn ein reuiger Sünder, der Herr Bundespräsident, der da sagt, man müsse „vielleicht manches, was angerichtet worden ist, einander verzeihen„?

Steinmeier: „Die Pandemie ist nicht eine Krankheit, die uns beherrschen darf„. Es gebe außerdem andere Herausforderungen wie den Ukraine-Krieg und den Klimawandel, mit denen die Gesellschaft lernen müsse umzugehen.

Da fragt sich der Gläubige am Tag des Katholiken, ob es denn tatsächlich jemanden gegeben hat, der annahm, die Krankheit „beherrsche uns“. Die Antwort findet er schnell. Sie lautet: Es gab jemanden, der dachte, er dürfe die „Pandemie“ benützen, um uns zu beherrschen. Und auch da ist wieder „so manches“ bekannt zu der Frage, wer das gewesen ist – und immer noch ist. Dem gläubigen Katholiken fällt auch auf, daß die vom Herrn Bundespräsidenten vorgestellten Alternativen, nämlich, sich entweder von der „Pandemie“ beherrschen zu lassen, oder den Umgang mit den anderen Herausforderungen lernen zu müssen, keine Alternativen sind. Weil das „Lernen mit dem Umgang“ nun einmal keine Alternative zu „sich beherrschen lassen“ ist, und weil das Narrativ vom menschengemachten Klimawandel kein Stück weniger fragwürdig ist, als das Narrativ von der allgemeinen Lebensgefahr durch das Virus – und weil der Krieg in der Ukraine noch einmal eine ganz andere Lügen-Baustelle darstellt. Sich beherrschen zu lassen einerseits – und den Umgang mit anderen Herausforderungen lernen zu müssen andererseits, steht in einem Verhältnis zueinander wie die Frage nach den Alternativen zum Gassigehen mit dem Hund: Einen Pudding zu kochen oder „als Gesellschaft den Politikern glauben lernen zu müssen“. Allerdings: Diesem Bundespräsidenten einen aufrichtig gemeinten Satz zu entlocken, dürfte tatsächlich so schwierig sein, wie einen gerade gekochten Pudding an die Wand zu nageln.

Die Katholiken in Stuttgart hatten es zweifellos nicht mit einem reuigen Sünder zu tun, dem man stellvertretend für die Blase, welche er zum Zweck seines Besuchs einmal kurz verlassen hatte, „vielleicht manches verzeihen“ muß. Weder in Sachen „Pandemie“ noch in Sachen „anthropogener“ Klimawandel und Ukraine-Krieg ist er der „oberste Einander“ im allgemeinmenschlichen „Miteinander“ der „die Menschen“ in Deutschland. Vielmehr ist der „oberste Einander“ als Bundespräsident der oberste Stangenhalter eines stocktotalitären Regimes, das auch die Katholiken als seine Verfügungsmasse betrachtet – und zwar mit allem, was dieser Verfügungsmasse an materiellen und immateriellen Werten selbst gehört. Nichts ist es mit „man“, „manches“, „einander“ und „vielleicht verzeihen müssen“.

Eindeutige Antwort deshalb: Solange von denen, die „so manches angerichtet“ haben, keiner die Verantwortung für sein Tun übernommen hat, so lange gibt es für „man“ nichts, das er „einander vielleicht“ zu verzeihen hätte.

Subjektiv wahr ist, daß der Herr Bundespräsident bei mir die Assoziation mit einem Uhu weckt, dessen Augen sich, wenn er redet, hinter den Brillengläsern in die Quelle von konzentrisch sich auseinanderbewegenden und ständig neu hervorpulsierenden  Farbkreisen verwandeln, vermittels welcher er den Adressaten seiner Rede hypnotisiert wie die Schlange Kaa den Mogli im Dschungelbuch. Alles, was er sagt, läßt sich auf zwei hypnotische Worte reduzieren: „Traaauuuue mir ….“ – Nix gibt’s!

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