Idiokratie.

Von Marvin Wank | Zehntausende Schüler protestieren gegen angeblich unlösbar schwere Abiturprüfungen. Bis heute Morgen zählte eine entsprechende Petition bereits mehr als 50.000 Unterschriften. Doch das Abitur tatsächlich zu erleichtern wäre ein fataler Fehler.

Schon jetzt zeigt sich an meiner Universität ein deutliches Delta (für die Bremer: das ist ein Unterschied) zwischen meinen Kommilitonen (das sind meine Mitstudent*innen) aus den diversen (das wisst ihr natürlich) Bundesländern. Ich habe Komilitonen mit Abiturnoten von 1,5 und besser, die im vergangenen Semester durch jede einzelne Prüfung gefallen sind.

Mit dem Abitur erhalten jedes Jahr Tausende von Schülern ihre Hochschulreife, obwohl sie definitiv nicht reif für eine Hochschule sind. In der Uni verstehen sie dann natürlich nur Bahnhof, aber macht ja nix, schließlich kriegt man ja fett Bafög vom Steuerzahler und die Prüfung kann man ins nächste oder ins übernächste Semester schieben. Oder man macht einfach so weiter wie man in der Schule aufgehört hat: Ist die Prüfung zu schwer, wird einfach auf die Barrikaden gegangen und eine Anpassung des Notenschlüssels gefordert. Hat ja im Abi schon blendend funktioniert.

Natürlich lässt sich eine Prüfung auch nicht ewig schieben. Und das führt zu massenhaft Studienabbrechern. Laut dem statistischen Bundesamt haben 17% der Deutschen einen Hochschulabschluss, aber mit ca. 32% fast doppelt so viel die Hochschulreife. Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass so ein Soziologiestudent bis zum 10. Semester den Steuerzahler auch dann Geld kostet, wenn er anschließend bei McDonald’s arbeitet – sofern er das überhaupt tut.

Das Problem ist nur: Irgendwann wird gesiebt. Sieben wir nicht im Abitur aus, sieben wir im Studium aus. Sieben wir im Studium nicht aus, dann sieben wir irgendwann Deutschland aus dem Weltmarkt aus.

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