Kommentar zu Verlustreicher Kampf um Odessa von Johanna Spieth

Warum um alles in der Welt hat sich das dritte Reich in den Krieg mit der Ostmacht hineinziehen lassen? Noch dazu mit Rumänen und Ungarn als Verbündete? Sicherlich kam es auf jede Verstärkung an. Und doch – der mühsame Vormarsch im Sommer und Herbst 41 hätte zeigen müssen, dass von Blitzkrieg keine Rede sein kann. Weil dieser Kriegsgegner von einem anderen Kaliber war als bisherige Gegner im Westen, Norden, auf dem Balkan. Oder war man deutscherseits auf den mittelmäßigen bis schlechten sowjetischen Erfolg im finnischen Winterkrieg 39-40 fixiert? Und schloß irrtümlicherweise auf einen dürftigen Zustand der roten Armee insgesamt? Woran lag deren unwahrscheinliche Widerstandskraft? Ich habe keine andere Erklärung als die, dass der ostslawische Soldat zivilisatorisch noch nicht verweichlicht ist. Und sehr viel eher bereit ist als sein westlicher Kollege, aufs Ganze zu gehen. Das heisst nicht, dass Ost-Slawen besonders militaristisch wären. Aber Leidensfähigkeit, Standfestigkeit, Durchhaltevermögen sind enorm entwickelt. Und das macht den Unterschied. Angesichts dessen ist es überhaupt ein halbes Wunder, dass die Wehrmacht gegen einen solchen Gegner bis Anfang 45 durchhalten konnte.

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