Kolumne: Der Palmer-Bahn-Skandal, der keiner war

Unlängst geriet die deutsche Bahn mit ihrer neuen Werbekampagne in die Schlagzeilen, welche das Bild einer vermeintlich bestens funktionierenden multikulturellen Gesellschaft zeichnet. Es folgen einige Betrachtungen.

Kommentar von Joshua Hahn

Die Kampagne geriet recht schnell nach der Veröffentlichung in die Medien. Nicht zuletzt war dies der Fall, weil der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer diese kritisierte.

Shitstorm gegen Palmer für naheliegende Frage

Nüchtern betrachtet stellte Palmer lediglich die Frage, die beim Ansehen des Werbebilds am naheliegendsten ist: Was waren die Kriterien für die Auswahl der Personen für die neue Kampagne? Und warum sieht nur eine der dargestellten Personen so aus, als würde sie zumindest aus dem europäischen Raum stammen?

Selbstverständlich erntete Palmer daraufhin diverse Shitstorms, nicht zuletzt von seinen Berliner Parteikollegen. Verwundern tut dies nicht (mehr) wirklich. So enden doch die meisten Kommentare des Tübinger Bürgermeisters in blanker Empörung, weil er untypischerweise ausspricht was er für richtig hält, und nicht, was von seinen Kollegen für richtig erklärt wurde.

Jede der gezeigten Personen mit Migrationshintergrund

Aber betrachten wir die Personen auf dem Bild. Warum fallen diese überhaupt auf? Unter den sechs Personen befinden sich drei „Prominente“. Nazan Eckes, Moderatorin, hat einen türkischen Migrationshintergrund. Der aus Ghana stammende Koch Nelson Müller sowie der Rennfahrer Nico Rosberg, welcher väterlicherseits einen finnischen Migrationshintergrund aufweist, ebenfalls.

Die anderen Personen haben ihrem Erscheinungsbild zufolge offenbar auch ausländische Wurzeln. Somit beträgt die Rate der Personen mit Migrationshintergrund in der neuen Bahnwerbung satte 100 Prozent.

Zynische Reaktion der Bahn

Dies zu erkennen ist wahrlich nicht schwer. Will man jedoch nicht auffallen, sollte man diese Erkenntnis nicht allzu laut äußern. Auf Palmers Facebook-Post reagierte die Bahn AG herablassend bis zynisch mit den Worten: „Herr Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab.“

DB-Statement ist Selbstwiderspruch

Dass sich die Deutsche Bahn mit diesem Post eher selbst widerspricht, scheint ihr zu entgehen. Denn wo genau ist die ach so bunte Gesellschaft auf dem Bild repräsentiert? Zu sehen sind Personen mit Wurzeln aus den verschiedensten Ländern, außer aus dem Land, dessen Steuerzahler die DB mitunter finanzieren.

Eher das Gegenteil als die propagierte Diversität ist also auf dem Foto dargestellt. Konsequenterweise sollte die DB wenigstens das D aus dem Namen streichen – dieses erscheint in Anbetracht des Zeitgeistes doch reichlich reaktionär und passt so gar nicht zu einer „bunten“ Bahn.


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