Newcomer Selenskij wird neuer ukrainischer Präsident

Der 41-jährige Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskij wird neuer Präsident der Ukraine. In der Stichwahl am Sonntag hat sich der politische Newcomer haushoch mit 73 Prozent der Stimmen gegen den 53-jährigen Amtsinhaber Petro Poroschenko durchgesetzt.

Seinen Wählern gegenüber kündigte er in Kiew an, den Minsker Friedensplan für den umkämpften Osten wiederzubeleben. »Wir werden die Verhandlungen fortsetzen und bis zum Ende gehen, damit das Feuer eingestellt wird.«

Der abgewählte Poroschenko, der kürzlich noch von Merkel in Berlin empfangen wurde, hat am Abend seine Niederlage eingeräumt und  gratulierte seinem Herausforderer zum Sieg. »So gehört es sich. So ist es in demokratischen Ländern üblich«, sagte er vor seinen Anhängern.

Ferner versprach er seinem Nachfolger einen harten politischen Kampf.  »Der neue Präsident wird eine starke Opposition haben, eine sehr starke«, sagte Poroschenko. Der Millionär kündigte an, weiter in der Politik zu bleiben.

Mit Selenskij kommt in dem Land erstmals ein Staatsoberhaupt ohne jedwede Regierungserfahrung ins Amt. Er ist auch der jüngste Präsident der ukrainischen Geschichte. Zudem war es das höchste Ergebnis, das jemals  ein Präsident der unabhängigen Ukraine erzielte.

Selenskij strebt wie Poroschenko einen EU-Beitritt an. Über einen umstrittenen NATO-Beitritt der Ukraine soll eine Volksabstimmung entscheiden. Poroschenko hatte einen antirussischen Wahlkampf geführt, während Serenskij zwar auch prowestlich ist, aber einen verstärkten Dialog mit Russland will.

Unklar ist noch wie er die hohen Erwartungen der Bevölkerung erfüllen kann, denn die neugegründete nach seiner Fernsehsendung benannte Partei ist bisher nicht im Parlament vertreten. Der Ukrainer jüdischer Herkunft ist der erste Präsident ohne eine eigene parlamentarische Machtbasis.

Es ist daher gut möglich, dass Selenskij angesichts unklarer Machtverhältnisse in der Obersten Rada die eigentlich für Oktober vorgesehene Parlamentswahl vorzieht. Ihm obliegt die schwere Aufgabe das im Westen und Osten in ein antirussisches und ein prorussisches Lager geteilte Land zu einen.

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