Die deutsche Aktienkultur muss sich verändern!

Von GASTAUTOR | Die Deutschen sind Aktienmuffel. Und das wohlgemerkt nicht erst seit der Finanzkrise. Insgesamt besaßen 2017 gerade einmal 10 Millionen Deutsche Aktien oder Aktienfonds. Das sind in etwa 15,7 Prozent der Bevölkerung, was gleichzeitig bedeutet, dass mehr als 84 % der Bürger und Bürgerinnen Deutschlands weder in Aktien noch in Aktienfonds investierten.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit weit abgeschlagen. In vielen anderen Ländern, allen voran die Niederlande, Japan und den USA, sind die Menschen wesentlich investier freudiger, was Aktien anbelangt. Obwohl die Anzahl der Aktionäre auch im Jahr 2017 weiter angestiegen ist, scheuen sich viele Deutsche noch vor Aktien. Dies hängt einerseits mit der, im internationalen Vergleich guten und jahrelang stabilen gesetzlichen Altersvorsorge zusammen, auf die die Deutschen sich verlassen konnten.  Auch heute bauen viele Deutsche noch beispielsweise auf die gesetzliche Rentenversicherung als Hauptbestandteil der Altersabsicherung, während in anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA die private Altersvorsorge, insbesondere das Investieren in Aktien, schon immer eine viel größere Rolle spielte. Man kann sagen, dass Investitionen in Aktien und das Anlegen am Kapitalmarkt schlicht und einfach nicht ausreichend in der deutschen Kultur und im deutschen „Mindset“ verankert sind. Neben weiteren Gründen, wie der steuerlichen Benachteiligung und dem Vertrauensverlust durch den Absturz der vermeintlichen „Volksaktie“  der Telekom, gibt es vor allem einen weiteren wichtigen Grund für das zurückhaltende Auftreten der Deutschen am Kapitalmarkt: Und das sind die Kosten.

Wir sprechen hier nicht über monetäre Kosten, sondern lediglich über einen zugegebenermaßen sehr hohen Aufwand, den das erfolgreiche Investieren in Aktien erfordert. Dies wird umso deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass finanzielle Bildung an deutschen Schulen de facto nicht stattfindet. Es bleibt also an einem selbst hängen, sich in den Urwald der Themen Finanzen, Wirtschaft und Börse hinein zubewegen und sich dort zu Recht zu finden. Allerdings war es, vor dem Hintergrund des Internets,  auch noch nie so einfach sich selbständig finanziell zu bilden und adäquate Informationsquellen zu finden, was für die Aktienkultur in Deutschland auch positive Erwartungen zulassen dürfte.Dass Aktien und Aktienfonds zu den Anlageinstrumenten mit den höchsten Renditen zählen und dass die in Deutschland sehr hohen  Sparbeträge auf Sparbüchern und Konten effektiv an Wert verlieren, ist mittlerweile kein großes Geheimnis mehr. Aber nicht nur aus privater Sicht lohnt es sich in Aktien zu investieren. Eine aktivere Aktienkultur würde auch dem in Deutschland sehr verbreiteten wirtschaftlichen Schwarz-Weiß-Denken von den Unternehmen auf der einen und den Konsumenten auf der anderen Seite entgegenwirken. In der Schweiz und den USA beispielsweise ist eine viel engere, auch emotionale, Bindung von Konsumenten und Privatleuten zu den Unternehmen beobachtbar und entsprechend ein wesentlich positiverer Blick auf das wirtschaftliche Geschehen, da diese sich langfristig gesehen an den Gewinnen der Unternehmen beteiligen. Daher mein Appell: Runter vom Sparbuch, rein ins Depot!

Der Autor Marc F. ist 19 Jahre alt und Mitglied der „Liberalen Jugendbewegung“.

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