„They’re stealing our future“: Greta würde alles besser machen

Von MANUEL FREUND |Bereits über vier Monate ist es her, das hielt Greta Thunberg auf dem Klimagipfel in Katowice ihre berühmte Rede. In den Medien wurde gerufen: „Sie spricht es endlich aus!“ Es wird so getan als hätte sie etwas Neues und Weltbewegendes gesagt, doch frage ich mich nun nach zig Malen, die ich mir die Rede inzwischen antuen musste: Was sagt sie bitte Neues? Erste Aussage: Kleine Dinge können viel bewirken. Ein typischer Aufmunterungsspruch, vergleichbar mit „Carpe Diem“. Gibt es bestimmt als Fußmatte. Als nächstes greift sie die Politiker an. Sie behauptet, Politiker machen viel zu wenig für die Umwelt und das wenige, was sie verändern, machen sie nur wegen des Images. Auch dieses links-grüne „Politiker und Wissenschaftler machen alles schlecht und ich würde alles besser machen“ hat man schon tausendmal gehört. Ich fasse es einfach nicht, wie man den riesigen Massen an gebildeten Leuten die Kompetenz, Lösungen zu finden, abstreiten kann. Christian Lindner sagte „Klimaschutz ist was für Profis“ – Auf jeden Fall ist Klimaschutzpolitik eher nichts, was 16-Jährige einfach mal so machen sollten.

Greta geht aber noch einen Schritt weiter: Anstatt nur zu behaupten, dass die Politiker und Wissenschaftler nicht in der Lage sind Lösungen zu finden, sagt sie, dass die Männer mit den „bösen Ideen“ gar nicht die Absicht haben irgendetwas zu bessern. Mit genau diesen Worten versetzt sie sich selbst in die Opferrolle. Sie behauptet Erwachsene würden unsere Zukunft zerstören, fragt, was sie ihren Kindern später mal erzählen soll, wenn diese sie fragen, was denn gegen den Klimawandel unternommen wurde, als man ihn noch stoppen konnte, etc. Die arme Greta. Auch im Folgenden redet sie darüber, dass sie sich um das Klima und die Umwelt sorgt. Liebe Greta, auch wenn du jeden, der nicht nach deiner links-grünen Pfeife tanzt als „böse“ bezeichnest: Auch liberale wie wir eine Zukunft haben, jedoch stellen wir uns nicht vor tausend Leute und sagen, dass Politiker und Wissenschaftler alle faul und böse sind und wir alles besser machen würden. Wir maßen uns nicht an, der Welt einen Kurs zu diktieren.

Ihr nächster großer Punkt ist, dass Politiker immer behaupten würden, dass kein Geld dafür da ist, die Energiewende schneller durchzuführen, aber es ist Geld da, um fossile Energieträger aus der Erde zu fördern. Alles andere als eine neue Aussage und vor allem auch keine besonders geistreiche. Wenn man von Kohle- und Kernkraftwerken auf erneuerbare Energien umstellt ist das ein komplexer Prozess. Greta stellt diesen sehr simpel dar, sie behauptet: Das Geld, was man bei der Förderung von fossilen Brennstoffen sparen könnte, könnte man in erneuerbare Energien stecken, also die Strommenge, die ich bekomme, wenn ich tausend Euro in die Förderung von Kohle stecke, würde ich auch bekommen, wenn ich tausend Euro in erneuerbare Energien investieren würde. Folgendes sind nur ein paar der Dinge, die Greta vergessen hat: Arbeitsplätze gehen verloren, d.h. weniger Steuerzahler und mehr Leute, die staatliche Hilfen empfangen müssen. Es ist möglich diese Leute umzuschulen, viele von ihnen sind allerdings schon zu alt dafür und die Umschulung kostet Zeit und Geld. Kraftwerke für erneuerbare Energien sind teurer als die Förderung von Rohstoffen für die schon bestehenden Kraftwerke. Der Rückbau von Kohle- und vor allem Atomkraftwerken ist sehr teuer. Und die erneuerbaren Energien leben zumindest in Deutschland zu einem wesentlichen Teil von staatlichen Subventionen. All dies sind Dinge, die jedem Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer bewusst sein sollten. Und aus genau diesen Gründen wird auch Greta niemals in der Lage sein in kürzester Zeit eine komplette Energiewende durchzuführen, ohne dabei jegliche moderne Witschafts- und Fortschrittsgrundlage zu zerstören.
Zuletzt sagt sie noch, dass man, wenn man keine Lösung in dem aktuellen System findet, man das System umstellen sollte. Jetzt mal ganz ehrlich, was ist denn Gretas Alternative? Kommunismus? Naja, selbst die Welt hatte ja einst getitelt, dass man den Klimawandel stoppen müsse – sonst helfe nur noch die Öko-Diktatur. Und wer Prophet ist wie Greta, kann bestimmt auch Diktator sein. Das ist ja nur ein kleines Downgrade.

Also anstatt alles nur zu kritisieren, sollte Greta vielleicht mal neue konstruktive Lösungsvorschläge erbringen. Ich bezweifle nur, dass sie ernsthaft welche hat. Eigentlich sollte jedem, der die Rede von Greta gesehen hat klar sein: Das ist weder weltbewegend noch neu. Ich rate Leuten wie Greta nicht tausenden gebildeten Leuten jegliche Fähigkeit, Lösungen zu finden, abzusprechen. Arroganz steht niemandem gut – und Arroganz ohne Basis sieht noch schlechter aus.

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