Wenn der Markus zur Tessa wird

Autor: E.K.-L. Bild: Wikipedia/Michael Lucan Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE


„Emma“ gegen „taz“: Brutalität wie bei Simmering gegen Kapfenberg

Das kann ja heiter werden. Jetzt liegen sich Alice Schwarzers Magazin Emma und die sehr linke Berliner taz (Tageszeitung) in den Haaren. Sozusagen cis-Frauen gegen trans-Frauen, wobei cis die  Bezeichnung für Menschen ist, deren Identität mit demjenigen biologischen Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei ihrer Geburt anhand der Genitalien zugeschrieben wurde. Vereinfacht ausgedrückt: Personen mit einer Vagina nehmen sich als Frau wahr. An sich eine Banalität.

Doch es gibt auch die trans-Frauen. Das sind diejenigen, die sich unabhängig von ihrem primären Geschlechtsorgan als Eva fühlen. Sperrig wird die Sache, wenn da ein Mannsbild daherkommt und angibt, er sei eine Frau. Da werden selbst radikale Feministinnen unruhig. Nebenbei: Das Ganze gibt es auch umgekehrt, sohin cis- und trans-Männer.

Im konkreten Fall ist das Streitobjekt ein Mensch, der als Mandatar der Grünen im Deutschen Bundestag sitzt. Ob dieser Mensch eine Frau – nämlich Tessa Ganserer – ist, oder doch eher ein Mann – Markus Ganserer – darüber scheiden sich, cis versus trans, die Geister.

In der am 19. Jänner erschienenen Jänner/Februar-Ausgabe des Magazins Emma blasen die cis-Frauen zum Angriff. Da liest man unter der Überschrift Ganserer, die Quotenfrau:

„Im neuen Bundestag sitzt seit den Wahlen im September 2021 auf einem grünen Frauenquotenplatz ein Mensch, der physisch und rechtlich ein Mann ist: Markus Ganserer. 2018 outete Ganserer sich öffentlich als Frau, nennt sich seither ‚Tessa‘ und trägt Frauenkleider. Ganserer hat weder sein Geschlecht operativ angleichen lassen, noch hat er/sie jemals seinen/ihren Personenstand amtlich geändert. (…)“

Emma weiter: „Eine politische Dimension bekam diese private Angelegenheit, als Ganserer … im Herbst 2021 für den Bundestag kandidierte: und zwar auf einem Frauenquotenplatz der grünen Liste. Statt einer Frau sitzt also jetzt ein Mensch auf diesem Platz, der körperlich und rechtlich ein Mann ist, sich jedoch als Frau ‚fühlt‘. Möglich ist das bei den Grünen, weil die Partei in ihrem ‚Frauenstatut‘ erklärt: Von dem Begriff ‚Frauen‘ werden alle erfasst, die sich selbst so definieren. Diese parteiinterne Klausel wurde nun jedoch de facto von den deutschen  Wahlbehörden übernommen: Ganserer wird im Bundestag und statistisch als Frau geführt …“

Emma hat die Sprengkraft dahinter klar erkannt: Wenn sich da jeder Mann so mir nix dir nix einfach als „Frau“ deklariert, dann wird die Frauenquote auch recht einfache Weise unterlaufen. Schlagend wird das überall dort, wo sich die holde Weiblichkeit einen Platz qua Quote sichern will. Konkret in politischen Gremien, aber in erster Linie bei Führungspositionen großer Unternehmen. Durch die Transgender-Bewegung wäre es dann möglich, dass sich einige Männer für die Zeit ihrer Mitgliedschaft im Vorstand oder im Aufsichtsrat durch eine simple Erklärung in trans-Frauen verwandeln und dadurch die Männer weiter unter sich bleiben.

Bei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ist man ähnlicher Auffassung. Ein neues Patriarchat in Frauenkleidern sieht NZZ-Autorin Sarah Pines im Transgender-Aktivismus, der daran arbeite, die Frau als biologisch und sozial basierte Kategorie abzuschaffen und sie zu einem menstruierenden Wesen zu degradieren. Redakteurin Pines schreibt: „Der Feminismus anerkennt die Frau und ihre Unterschiede zum Mann. Weiblichkeit ist keine männliche Projektion, die Welt funktioniert nicht immer phallozentrisch. Phallozentrischer als ‘menstruierende Person’ kann ein Begriff allerdings gar nicht mehr sein. Die Öffnung der Kategorie ‘Frau’ reduziert den Unterschied zwischen Mann und Frau auf eine identitäre Kategorie, nach dem Grundsatz: Wenn ich mich als Frau fühle, bin ich auch eine.

Hingegen verteidigt die linke taz die Transgenderidee am Beispiel von Ganserer, welcher in einer eher schrägen Gedankenwelt leben dürfte, denn er meint: Ein Penis ist nicht per se ein männliches Sexualorgan.

Was also ist in der taz vom 24. Jänner (Titel samt Untertitel: Nö danke, „Emma“. Nach einem Artikel über die Grünen-Politikerin Tessa Ganserer muss man sich fragen: Ist das Magazin von Alice Schwarzer noch feministisch?; eine Autorin wird nicht genannt) zu lesen?

Hier eine kleine Kostprobe:

„… (Es) wird suggeriert, dass trans Menschen eine Gefahr für cis Frauen und Mädchen seien, quasi eine Erfindung von mächtigen Lobbygruppen, die hinter verschlossenen Türen ihre misogynen Pläne schmiedeten. Nun also hat das Magazin einen Text veröffentlicht, in dem die bekannte Grünenpolitikerin Tessa Ganserer heftig diffamiert wird. In dem Text wird tatsächlich über Ganserers Genitalien spekuliert, sie wird als Mann in Frauenkleidung bezeichnet … Ganserer wird außerdem vorgeworfen, im Rahmen der Quotenregelung ihrer Partei einen Platz für Frauen unrechtmäßig zu besetzen.“

Treuherzig jammt die taz, Emma übe sichin einer verschwörungsideologischen Dämonisierung, die vor allem dazu da ist, um transfeindliche Gewalt als feministische Selbstverteidigung verkaufen zu können. Trans Menschen hingegen wollen erst mal nichts weiter, als würdevoll zu existieren und sich ohne Gewalt entfalten können – eben ihre Menschenrechte wahrnehmen.“

Die taz holt im Text zum finalen Vernichtungsschlag gegen das altehrwürdige Magazin der Alice Schwarzer aus: Ohnehin kann man bei ‚Emma‘ regelmäßig Positionen finden, die tendenziell gegen geschlechtliche Selbstbestimmung sind.

Alles in allem: Ein böser Macho, dem da der Begriff „Stutenbissigkeit“ einfällt.

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