Kommentar zu Das hohe C der CDU von Johanna Spieth

Ist das Christentum politikfähig? Wenn ja, in bezug auf welche Staatsform? Vom alten Testament her – das als Grundlage des neuen gilt – ist eine christliche Nähe zu monarchischen, theokratischen, priesterherrschaftlichen Vorstellungen gegeben. Genau so haben sich die Nachfolgestaaten des Römerreichs entwickelt – als gleichsam davidische Synthese aus Thron und Altar im Sinne einer Vorstufe des himmlischen Jerusalems. Dass das keltische, germanische, slawische Heidentum dabei unter die Räder kam, ist jener alttestamentarischen Konsequenz geschuldet, die die christliche Religion durchpulste. Diese galt weder als Friedensmission noch als rein individualistische Frömmigkeit, sondern als Befehl Christi: „Macht zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie tauft und lehrt …“ (Mt 28). Die imperiale Kraft dieser Aussage wird durch den Geist der Bergpredigt abgemildet, aber nicht aufgehoben. Erst die Aufklärung sorgte für eine pazifistisch-zivilgesellschaftliche Umformung sowie dogmatische Entkernung des Christentums, das seither nur noch als Agentur zur diesseitigen Wertevermittlung gilt. Das hohe C der CDU hat nichts zu tun mit dem klassischen Geist des Christentums und ist darum entbehrlich.

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