Frankfurter Buchmesse: Der Ruf nach Zensur

Autor: E.K.-L. Bild: Wikipedia/KJohansson Lizenz: CC BY-SA 3.0


Ein typischer Gutmensch dreht an der tibetanischen Gebetsmühle

Interessierte erinnern sich gewiss noch an die vorjährige Buchmesse zu Frankfurt, die ein ziemlicher Reinfall war. Statt 7.450 Aussteller wie 2019 nahmen bloß 1.500 die Gelegenheit wahr, dem Publikum ihre Produkte zu präsentieren. Bloß 73.500 Besucher interessierten sich für die ausgestellten Werke.

Freilich: Für große Gaudi sorgte ein Kuriosum an Rande: Im Vorjahr ertönte das Gekreische diverser Klein-Autoren, die ihre Teilnahme absagen, weil an der Messe patriotische Verlage ihre Bücher präsentierten. Messechef Jürgen Boos verteidigte die Anwesenheit etwa des Dresdner Verlags Jungeuropa auf der Buchmesse mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit.

Einen schweren Schlag für die Frankfurter Messe  bedeutete die Absage der schwarzen Autorin Jasmina Kuhnke. Sie sollte an der ARD-Buchnacht teilnehmen, auf der sie ihren Debütroman Schwarzes Herz vorstellen wollte. Aber sie fühlte sich von „Rechten“ bedroht. Schade, denn der Rowohlt-Verlag preist die Dame als unüberhörbare Stimme im Kampf gegen Rassismus in diesem Land.

Tapfer zeigte sich hingegen ein Rassismus-Experte, der sich stolz Aladin El-Mafaalani schreibt. Voll Zivilcourage formulierte der Soziologe: „Ich meide einen Ort nicht, weil da Faschos sind. Ich gehe da gezielt hin. Das ist meine Idee von Widerstand.“ Auf ihn haben im vorigen Oktober  sicher schon viele gewartet.

Obwohl die diesjährige Buchmesse erst am 19. Oktober die Pforten öffnet, widmet sich eine öko-linke  Gemeinderätin der Stadt Frankfurt dem Thema. Sie schreibt sich Jutta von Ditfurth (wobei sie das kleinadelige von meist weglässt, um unter ihresgleichen keinen Anstoß zu erregen) und gibt unlängst  der Tageszeitung Frankfurter Rundschau (FR) ein Interview, worin sie die Forderung nach einem Ausschluss rechtsradikaler Verlage erhebt.

Der Authentizität halber, aber auch, weil wir uns mitten im Fasching befinden, lassen wir die Dame  selbst zu Wort kommen:

Frau Ditfurth, wie sollte Ihrer Ansicht nach die Frankfurter Buchmesse denn in diesem Jahr mit den rechten Verlagen umgehen?

„Nicht so wie beim letzten Mal … Der weiße privilegierte Teil der Gesellschaft ignoriert zu oft, dass People of Color täglich rassistische Erfahrungen machen.“

Also sollte die ganze Buchmesse ein Safe Space sein?

„Ja, die gesamte Buchmesse sollte ein sicherer Raum sein für BPoC (Black and People of Color), Menschen mit Kippa oder andere mögliche Opfer von Nazis. Die Buchmesse kann nur dann ein solcher Ort sein, wenn rassistische, völkische, antisemitische Verlage rausgehalten werden. Denn so ein Stand wie der von Jungeuropa ist immer auch eine organisatorische Andockstelle für andere Nazis, die dann gemeinsam über die Messe ziehen und eine Gefahr sind …“

Schauen wir uns die Zeitgenossin einmal genauer an, die derart unverblümt der Zensur das Wort redet. Jutta von Ditfurth (70), Tochter des Psychiaters Hoimar von Ditfurth  und der Fotografin Heilwig von Raven, wächst in behüteten großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach der Matura an einem Mädchengymnasium (1969) besucht sie noch bis zum März 1970 ein höheres Töchterheim in Garmisch-Partenkirchen, dann studiert die junge Jutta im noblen Heidelberg Kunstgeschichte und Soziologie, 1977 erwirbt sie den akademischen Grad Diplomsoziologin. Danach ein kraftraubender Brotberuf? Eher Fehlanzeige.

In den 80er-Jahren ist die „Radikalökologin und Feministin“ (Selbstbezeichnung) sogar eine der drei Bundesvorsitzenden der Grünen. 1991 tritt sie aus, gründet eine öko-linke Splittergruppe (ÖkoLinX), für die sie ab 2001 mit einer kurzen Unterbrechung im Frankfurter Gemeinderat sitzt.

Ditfurth befasst sich seit 1977 mit der Rote-Armee-Fraktion (RAF) und den staatlichen Reaktionen darauf. Sie hat den „bewaffneten Kampf“ stets verworfen, aber Sachbeschädigungen wie das Umsägen von Strommasten befürwortet. 1990 lehnt sie die deutsche Wiedervereinigung ab und organisiert Demonstrationen unter dem Motto Nie wieder Deutschland. Im Vorjahr verlautbart Jutta von Ditfurth, sie erhalte Morddrohungen. Sapperlot!

Zusammenfassung: Bei Jutta von Ditfurth handelt es sich um höhere Tochter, sie studiert standesgemäß Kunstgeschichte und Soziologie, stellt sich entschieden gegen die Wiedervereinigung ihres Vaterlands, befürwortet Gewalt gegen Sachen. Nun tritt die Dame – sich behaglich im moralischen Hochstand räkelnd – für Zensur ein. Mit einem Wort: ein Gutmensch vom Feinsten.

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