Folgen der Energiewende: Die Klima-Inflation rollt an

Während überall in Deutschland Politiker vor der Omikron-Welle warnen, vergessend, dass Omikron übersetzt O-Mikron, das kleine O heißt, rollt eine ganz andere Welle auf Deutschland zu: Die Inflation, die das Land der Energiewende von Merkel und Grünen verdankt: Die Klima-Inflation.
In einemGespräch mit der Welt hat Michael Hüther, der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, IW, auf die Verstrickungen hingewiesen, in denen sich die EU und Deutschland zu verfangen drohen. Und was die Bürger zuerst einmal merken: Die Preise ziehen an. Und das kräftig.
Als Grund wird momentan bevorzugt die Corona-Epidemie genannt. Doch genau dem widerspricht Hüther zumindest zum Teil. »Hinzu kommen politische Effekte, die Öl- und Gaspreise steigen lassen«, sagt er und ergänzt: »und natürlich auch klimapolitische Maßnahmen. Der steigende CO2-Preis schlägt auch auf die Inflation durch.« Ja, es kommt noch schlimmer: »Europa droht eine Stagflation, wenn die Politik nicht aufpasst.«
Eine Stagflation? – Das Kunstwort aus »Stagnation« und »Inflation« verknüpft zwei negative Tendenzen: Wirtschaftliche Stagnation und Inflation. Während eine Stagnation ohne Inflation noch kein Beinbruch ist und eine Inflation bei gleichzeitigem wirtschaftlichem Aufschwung gut erträglich ist, ja zum Aufschwung gehört, bedroht die Kombination aus wirtschaftlichem Stillstand und Inflation, insbesondere wenn sie länger anhält, den Wohlstand von allen. »Ich rede hier nicht über dieses oder kommendes Jahr«, führt der Wirtschaftsfachmann aus, »sondern weit in das Jahrzehnt hinein, das vor uns liegt. Eine längere Phase der Stagflation ist eine reale Gefahr.«
Und Hüther nennt auch die Gründe für die drohende Entwicklung: »Unsere Klimapolitik kann eine Stagflation auslösen.« Ganz zuerst nennt er den CO2-Preis. Nur wenn Haushalte und Unternehmen deutlich weniger Öl und Gas brauchen, wofür nichts spricht, schlägt diese staatlich angekurbelte Bepreisung nicht durch. Also, so Hüther, »wird der steigende CO2-Preis ein Inflationstreiber bleiben.«
Schon als zweiten Grund verweist der IW-Chef auf den Fachkräftemangel, der ein Preistreiber sei. »Die Löhne steigen gerade in vielen Bereichen, nicht nur im MINT-Bereich, wo Fachkräfte schon lange knapp sind, sondern auch in Bereichen mit anderen Qualifikationen, in Hotels und Restaurants beispielsweise.«
Dabei betont der IW-Chef ausdrücklich den politischen Hintergrund der Preissteigerungen. »Die Klimapolitik wird in den kommenden Jahren die Inflation treiben.« Sie, die Inflation, ist also nicht einfach der Ausdruck einer wirtschaftlichen Entwicklung. Daher entsteht hier ein fataler Zirkel. Denn anders als im Rahmen einer rein ökonomischen Entwicklung, darf die EZB nach Einschätzung von Hüther nicht mit den üblichen Mitteln auf die Inflation reagieren. Die Bundesbank erhöhe ja auch nicht den Leitzins, wenn die Bundesregierung die Mehrwertsteuer anhebt.
Die EZB »muss die Klima-Inflation bei ihren geldpolitischen Entscheidungen ignorieren und darf auf diese Form der Teuerung nicht reagieren.« Klima-Inflation! – ein treffendes Wort. Sie, diese »Klima-Inflation« ist laut Hüther »politisch gewollt und damit ein exogener Schock.« Nur dass in Deutschland niemand aus der Regierung davor warnt. Man hält lieber Ausschau nach O-Mikro-Wellen.

Leserbriefe

Nachrichten, Kommentare, Leserbriefe - News im Minutentakt.