Lernen durch Schmerz und Reue


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Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

Ernst-Wolfgang Böckenförde: Staat, Gesellschaft, Freiheit. 1976, S. 60
In Deutschland primär und in vielen anderen westeuropäischen Nationen sekundär, besteht der Irrglaube, dass man Staaten und Gesellschaften am Reißbrett konstruieren kann. Dass die Menschen, egal woher sie stammen und aus welchen Kulturen sie kommen, wie leere Blätter neu beschrieben werden können. Dass es nur einen Pass braucht, um zum Staatsbürger zu werden, der die neue Heimat als seine anerkennt, die Regeln achtet und sich als Träger der staatlichen Ordnung erweist. Wie alle Utopien leidet diese Fantasie an einer fehlenden Nähe zur Realität. Die einwandernden Massen aus Afrika und Zentralasien bringen keine neue Ära des Wohlstands und der aufklärerischen Vernunft, sondern sind die Vorboten einer epochalen Katastrophe. Die demographische Umwälzung West- und Mitteleuropas wird die gewachsenen Nationen Europas sprengen und auch staatliche Konstrukte, seien sie noch so laizistisch und farbenblind gedacht, zerstören. Diese Zukunft nicht in Stein gemeißelt, aber wird mit fortschreitender Zeit immer wahrscheinlicher.
Vor allem die deutsche Gesellschaft hat sich nun zum dritten Mal in knapp 100 Jahren einer besonders starken Ideologie verschrieben. Nach dem Nationalsozialismus und dem Sozialismus der DDR, kommt nun der Internationalsozialismus mit Multikulturalismus auf Basis einer vagen Union europäischer Nationen, die längst miteinander innerlich gebrochen haben. Nur Deutschlands Geld hält die Länder um uns herum noch bei der Stange. Wenn die Franzosen einmal pleite gehen sollten, wird das ganze Gewicht und die Last der EU an Deutschland hängen. Die Bundesrepublik wird jedoch der letzte Staat Europas sein, der sich dieser Wahrheit bewusst wird. Wenn alle anderen schon versuchen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen, werden in Berlin noch die Fahnen der humanistischen Weltideologie wehen, die vom kommenden Sieg des europäischen Globalismus künden. Hier wird man noch lange nachdem uns alle anderen Nationen die Freundschaft gekündigt haben sagen: «Jetzt erst recht!»

Das deutsche Volk hat eine gewisse Trägheit, die wohl in ihrer historisch-politischen Schwungmasse begründet liegt. Entscheidet sich dieses Land und dieses Volk für einen Weg, wird dieser bis zum bitteren Ende beschritten. Komme was da wolle. Unterschieden wir nur noch zwischen denen, die den Kurs mittragen und jenen, die sprichwörtlich die «rote Pille»(Matrix) geschluckt haben und ausgeschert sind. Dass sich Deutschland auf dem politischen Holzweg befindet, wird man erst erkennen, wenn man wieder Schiffbruch erleidet. Eine Möglichkeit, die den internationalen Beobachtern nicht entgeht, aber unsichtbar für einen Großteil der deutschen Bevölkerung bleibt, die leicht für die Utopie zu begeistern ist.

Die einzige rettende Qualität der Deutschen ist, dass sie zumindest in ihrer Geschichte auch gezeigt haben, dass sie aus jedem selbst herbeigeführten Untergang einen neuen Anfang schmieden konnten. Meistens mit viel Tränen und im Schweiß und Blute ihres Angesichts. Lernen tut man hier nur durch Schmerz und Reue.

Bild: Pixabay

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