Die Meisterin des Schrägvorbeiredens lässt auch schräg vorbei musizieren

Die Musikauswahl beim Zapfenstreich zur Verabschiedung eines Spitzenpolitikers entspricht ungefähr dem letzten Pinselstrich an einem Selbstporträt, also der Signatur. Zu ihrem letzten Kanzlerinnenauftritt in Berlin wünschte sich Angela Merkel bekanntlich die Instrumentalversion von drei Liedern: Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“, Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und des Chorals: „Großer Gott, wir loben dich“. Die Kombination aus einem kirchlichen Lied an übergeordneter und einem weltlichen an der eigentlich populäreren Stelle folgt einer langen Tradition. Königin Luise von Preußen, eine deutsche Regentin, die völlig zu Recht bis heute gewürdigt wird, bestimmte für das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche, es sollte zu jeder halben Stunde „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit“ nach der Papageno-Melodie von Mozart spielen, zu jeder vollen „Lobet den Herrn“.

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