Letztes Pfiat Gott für einen Süd­tiroler Freiheitshelden

Geboren am 22. Februar 1932 in Meran Obermais, hat nun einer der letzten noch lebenden Helden des Südtiroler Freiheitskampfes, kurz vor Erreichung seines 90. Geburtstages, den letzten Weg angetreten. Sepp Mitterhofer, ein aufrechter, nimmermüder Verteidiger der Freiheit Südtirols, ist am 27.11.2021 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben.
 

Die frühen Jahre und der Freiheitskampf

In jungen Jahren hatte er sich dem von Sepp Kerschbaumer gegründeten BAS (Befreiungsausschuss Südtirol) angeschlossen. Aktiv beteiligte er sich dabei an den ausschließlich gegen „Einrichtungen“ des (italienischen) Staates gerichteten Anschlägen.

Diese hatten damals zum Ziel, die Weltöffentlichkeit auf die „Knechtschaft“ Südtirols unter dem italienischen Joch und das dadurch geschehene Unrecht aufmerksam zu machen.

Verhaftung nach der „Feuernacht“

Als Feuernacht oder Herz Jesu Nacht bekannt geworden, bezeichnet die Nachtstunden zwischen dem 11. Und 12. Juni 1961, in denen von den Freiheitskämpfern des BAS in ganz Südtirol, als Zeichen gegen die Unterdrückung, insgesamt 37 Strommasten und mehrere Bahnverbindungen gesprengt wurden.

Nach dieser Nacht, die ein deutliches Zeichen des Widerstandes gegen die italienische „Zwangsintegration“ Südtirols gesetzt hatte, wurde auch Sepp Mitterhofer verhaftet.

Im Gefängnis verfasste er einen Brief der Zeugnis über die Unmenschlichkeit und Folter durch die italienischen Machthaber, der heimlich aus seiner Zelle an die Öffentlichkeit gebracht werden konnte.

Daraus möchten wir hier ein paar Auszüge zitieren, um die unfassbaren Zustände zu verdeutlichen, unter denen Mitterhofer inhaftiert war. Das Schreiben war an den damaligen, ebenfalls in Meran gebürtigen Landeshauptmann Dr. Silvius Magnago gerichtet. Das Original dieses Briefes in gesamter Länge befindet sich heute im Archiv der SVP, Landesarchiv Bozen.

Das erschütternde Zeugnis der Haft

„Im Ganzen musste ich zwei Tage und drei Nächte strammstehen ohne etwas zu Essen, Trinken und zu Schlafen. … Mit Fußtritten wurde ich an den Füßen und am Hintern bearbeitet und auf den Zehen herumgetreten…. Am meisten geschlagen wurde mir ins Gesicht, dass ich so verschwollen wurde, dass ich später nicht mehr den Mund aufbrachte zum Essen. Die Arme wurden mir am Rücken hochgerissen, dass ich laut aufschrie vor Schmerz. Einmal musste ich mich halbnackt ausziehen, dann wurde ich so lange mit Fausthieben bearbeitet bis ich bewusstlos zusammenbrach…. Öfters musste ich stundenlang vor brennende Scheinwerfer stehen und hineinschauen bis mir der Schweiß herunter rann und die Augen furchtbar schmerzten. Man zog mich an den Ohren und riss mir Haare büschelweiße vom Kopf. … Der Rücken musste glatt an der Mauer angehen, kaum, dass ich mich rührte oder mit den Zehenspitzen etwas herausrutschte, so schlug mich ein Carabiniere der vor mir stand, mit dem Gewehrkolben auf die Zehen oder auf den Körper.“

Der folgende Prozess fand in Mailand statt, Mitterhofer wurde dabei zu 12 Jahren verurteilt, von denen er ganze 8 Jahre im Kerker verbringen musste.

Kein Kerker konnte seinen Glauben an Südtirol brechen

In weiterer Folge war es Mitterhofers eiserner Glaube an seine Heimat, der ihm die Kraft gab, seinen Kampf mit politischen Mitteln fort zu führen. Keine Folter und keine Haft konnten seinen Glauben an Südtirol erschüttern.

Nach seiner Freilassung wurde er Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“(SHB) unter der Führung von Hans Stieler und zahlreichen ehemaligen politisch gleichgesinnten Häftlingen.

Dabei hatte man sich „die Durchsetzung des seit 1919 verwehrten Selbstbestimmungsrechtes, das die Entscheidung über die Wiedervereinigung des geteilten Tirol bis zur Salurner Klause zum Gegenstand hat“ auf die Fahnen geheftet und in den Satzungen des SHB verankert.

Unermüdlicher Einsatz für ehemalige politische Häftlinge

In den folgenden Jahren war Mitterhofer mit Unterstützung durch Rechtsanwälte und Personen des öffentlichen Lebens um die „Rehabilitation“ ehemaliger politischer Häftlinge bemüht. Dadurch konnte die Löschung der italienischen Staatshypotheken auf den Besitz ehemaliger politischer Gefangener und damit einhergehende Wiedererlangung der bürgerlichen Rechte im Jahre 1995 erreicht werden.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu politischer Wiedergutmachung war ohne Zweifel auch die im Jahre 2000 veröffentlichte Dokumentation mit Dokumenten und erschütternden Zeitzeugenberichten des Südtiroler Freiheitskampfes.

Alleine durch die Mitwirkung Mitterhofers beispielsweise, konnte der Landesfestzug in Innsbruck 2009 im Gedenken an den Freiheitskampf von 1809, weg von einer Trachtenparade hin zu einem eindrucksvollen Bekenntnis für die Einheit Tirols und zu einem „Los von Rom“ Bekenntnis werden.

Ehrenurkunde von FPÖ für unermüdlichen Einsatz

Im Zuge seiner Rede vor dem Österreich-Konvent des Österreichischen Parlamentes zum Thema Selbstbestimmungsrecht und dem Ziel der Landeseinheit Tirols, bekam Mitterhofer durch den Nationalratsabgeordneten und Südtirol-Sprecher der FPÖ, Dr. Pahl eine Ehrenurkunde für seinen unermüdlichen Einsatz überreicht.

Auch medial war Sepp Mitterhofer ein nimmermüder Mahner gegen die Akzeptanz eines Verbleibes bei Italien.

Selbst nach der Übergabe seiner Obmannschaft im SHB 2011 an seinen Nachfolger, endete sein Wirken für Südtirol keineswegs. So war er auch an der Bozener Dokumentarausstellung zum Thema des Südtiroler Freiheitskampfes maßgeblich beteiligt.

Eine ehrfurchtsvolle und tief empfundene Verneigung mögen wir hier einem mutigen Helden entbieten, dem die Knechtschaft Südtirols niemals als unabänderliches Schicksal galt und der Vorbild auch in diesen Tagen sein muss.

Ein inniges Pfiat Gott Sepp Mitterhofer, Kämpfer für Südtirol!

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