Kommentar zu „Niemals werde ich abdanken“ von Johanna Spieth

Immerhin hat Karl I. versucht, seine angestammte Stellung wieder zu erobern – anders als Kaiser Wilhelm es tat, anders als die Könige von Sachsen, Bayern, Württemberg und die Großherzöge von Baden und Hessen-Darmstadt es taten. Man kann darüber streiten, ob deren Zeit nicht ohnehin abgelaufen war. Aber sang- und klanglos verschwinden? sich ins Exil und/oder Privatleben zurückziehen? Welchen Sinn macht das vor der Geschichte? Hatte keiner der Monarchen noch Rückhalt im Volk und im Militär? So dass wenigstens der Versuch hätte unternommen werden können, das Amt zu retten und es evtl. dann in neuzeitlicher Form umzugestalten? Warum musste es diesen Kahlschlag geben? War das der Wunsch der Siegermächte, denen die demokratischen Kräfte in Deutschland und Österreich-Ungarn kritiklos folgten? Immerhin hält Siegermacht England bis heute an der Monarchie fest. Ist die britische Monarchie besser, demokratie-verträglicher, zeitgeistkonformer als die deutschen und österreichischen Monarchen? Ich habe den Verdacht, dass die deutschen und österreichische Monarchen wegen ihres Festhaltens am Gottesgnadentum bei den letztlich eben doch laizistisch geprägten Siegern in Ungnade fielen.

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