Grüne nehmen KiKA-Doku über Flüchtlingsliebe in Schutz

Junge Freiheit

ERFURT. Thüringens Grüne haben die Dokumentation über die Liebesbeziehung einer minderjährigen Deutschen und eines erwachsenen syrischen Flüchtlings im Kinderfernsehen verteidigt. Das Mädchen trete „für ihr Alter außergewöhnlich reflektiert“ auf, äußere sich überlegt und halte selbstbewußt mit ihren eigenen Überzeugungen entgegen, sagte die stellvertretende Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im thüringischen Landtag, Madeleine Henfling.

„Daß die AfD die Beziehung der beiden Protagonisten dann in einen Kontext mit dem Mord in Kandel stellt, ist perfide und ekelerregend. Die AfD instrumentalisiert damit den Tod einer jungen Frau für ihre eigene rassistische und fremdenfeindliche Propaganda“, kritisierte die 34jährige.

Die „selektive Wahrnehmung“ der AfD resultiere aus ihrem „rassistischen Weltbild“ und nehme nur jene Aspekte auf, „die ihrer ekelhaften Hetze“ nutzten, kommentierte Henfling. Die Einschätzung der AfD entspreche in keiner Weise dem tatsächlichen Charakter der Sendung. „Wir jedenfalls wünschen Malvina und Diaa viel Glück für die Zukunft.“

AfD: „Unerträgliche Propaganda der Staatsmedien“

Zuvor hatte unter anderen der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel die Sendung aus der Reihe „Schau in meine Welt!“ als „Skandal ersten Ranges“ bezeichnet. Der Beitrag verharmlose die Problematik und suggeriere deutschen Mädchen ein „Happy End“. Spaniel nannte es eine „unerträgliche Propaganda der Staatsmedien“, wie das Mädchen als Vorbild „instrumentalisiert“ werde.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Stefan Möller, forderte in einem Brief an die MDR-Intendantin Karola Wille, die Sendung nicht mehr auszustrahlen. Der Kinderkanal müsse künftig auf „manipulative Sendungen vergleichbarer Machart“ verzichten. Das gelte um so mehr, „als die extremen Folgen solcher asymmetrischen Beziehungen“ spätestens seit dem Mordfall im rheinland-pfälzischen Kandel den Filmemachern bekannt sein sollten. Der MDR verantwortet die laufenden Geschäfte des KiKA.

Seit dem vergangenen Wochenende wird die Dokumentation heftig diskutiert. In der Sendung erzählen die 16 Jahre alte Malvina und der angeblich 17 Jahre alte Diaa von ihrem Liebesglück und den kulturellen Verschiedenheiten. Nach Protesten änderte KiKA anschließend die Altersangabe des Syrers in der Beschreibung sowie in den Bildunterschriften von 17 auf 19 Jahre. Der Hessische Rundfunk, der die Folge gedreht hatte, teilte später mit, der Syrer sei mittlerweile 20 Jahre alt.

KiKA und Hessischer Rundfunk weisen Kritik zurück

Neben der AfD hatten auch Politiker von CDU und CSU den Stopp der Dokumentation, die nach wie vor auf der KiKA-Webseite aufrufbar ist, gefordert. Sowohl der Hessische Rundfunk, der die Folge gedreht hatte, als auch KiKA wiesen die Kritik vehement zurück.

Daß der Film bei vielen Zuschauern gerade mit Blick auf den Mordfall Kandel, wo ein afghanischer Flüchtling seine 15 Jahre alte deutsche Ex-Freundin ermordet hatte, für Unverständnis sorgt, könne der Sender nicht verstehen, sagte eine KiKA-Sprecherin auf JF-Nachfrage. (ls)

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