Energie als Luxus – der Pöbel darf sparen



Rentner dürfen im Winter bibbern (Foto:Imago)

Na, schon Woll- und Stoffreste für den Winter gesammelt? Wenn es nach dem Willen unserer selbsternannten Klimaexperten aus Politik und Medien geht, dann werden sich vor allem Normal- und Geringverdiener nämlich warm anziehen müssen. Vielleicht sollten wir gleichzeitig auch die Kunst des Quiltens neu erlernen – oder gleich einen Kurs „Überleben ohne modernen Komfort“ bei den Amish buchen. So schlecht geht es denen bekanntlich nicht – und ihr Leben ist sehr nachhaltig!

Vor ein paar Wochen legte Saskia Esken – Monatseinkommen inklusive Büro- und Personalzuschuss 47.000 € – einem Rentner, der befürchtete, sich die Heizkosten für seine Wohnung nicht leisten zu können, nahe, doch einen dieser supergünstigen Kredite zur Wärmedämmung seiner Wohnung aufzunehmen. Das ist genau der Ratschlag, den man sich von einer altgedienten Sozialdemokratin erhofft: Als Rentner neben den Heizkosten auch noch monatliche Raten für Sanierungsarbeiten zahlen zu müssen. Bei „hart aber fair“ legte am Montag ihre Parteikollegin Katarina Barley nach; wieder ging es um Wohnungsnebenkosten, diesmal um Strom, der in Deutschland nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist, auch wenn eine ach so lustige Werbung im Stil von „Eine schrecklich nette Familie“ uns das suggeriert. Am billigsten wäre es natürlich, so führte Barley aus, möglichst wenig Strom zu verbrauchen.

Deutsche Normalbürger – allesamt dekadente Stromverschwender?

Für diese Erkenntnis verdient sie doch den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, oder? Schließlich verschwenden normale deutsche Bürger die kostbare Energie, wo sie nur können: Vor der Haustür ist eine Flutlichtanlage von Stadionqualität angebracht, und im Wohnzimmer läuft Omas Heizlüfter mit Energieeffizienzklasse Z auf Hochtouren. Der Bequemlichkeit halber bleibt die Kühlschranktür offen und der Fön im Bad eingeschaltet. Eine Klimaanlage gleicht die Temperaturschwankungen aus, und im Keller wäscht die Waschmaschine einen einzelnen Socken, während nebenan der Trockner für ein Gästehandtuch brummt. Der Sicherungskasten ächzt unter der Belastung, aus dem Stromzähler quillt bereits ein kleiner Rauchfaden…

Stellt sich so Frau Barley den durchschnittlichen Haushalt vor? Es wird verschwendet, was die Elektrogeräte hergeben? Zugegeben, ich renne nicht jeder eingeschalteten Lampe hinterher, dafür hat man uns schließlich Energiesparlampen aufgenötigt. Die Zeiten, als ich es noch romantisch fand, beim Licht einer Öllampe zu lesen – die waren in den Achtzigern mal schick, im Laura-Ingalls-Style – sind lange vorbei, ich bin zu alt für so etwas. Aber im allgemeinen achten wir darauf, keinen Strom zu verpulvern. Aus Sicht von Politikern wie Barley, aber auch gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Journalisten wie Detlef Flint vom WDR jedoch tun das die meisten Deutschen offenbar  weshalb man ihnen Strom und Gas gar nicht teuer genug machen sollte:

Autofahren, Strom verbrauchen und heizen – es schleicht sich eine Haltung dazu ein, wie man sie vom Ablasshandel kennt: Du darfst ruhig sündigen, aber du musst es dir leisten können. Nur wurde das Geld aus dem Anlass wenigstens noch in den Bau des Petersdoms investiert. Wir bekommen lediglich Windräder dafür, welche nicht nur die Gegend verunstalten, sondern darüber hinaus auch noch unzuverlässige, launische Stromlieferanten sind. Hin und wieder fallen sie auch auseinander – denn an der technischen Überprüfung wird gespart.

Wie stellen sich solche Politikerinnen à la Esken und Barley oder Medienvertreter wie Flintz die Zukunft vor? Muss der Normalbürger demnächst auf dem Fahrrad strampelnd eine Autobatterie aufladen, damit er wenigstens in einem Zimmer eine Lampe betreiben kann? Sitzen wir in Nordpol-tauglichen Schlafsäcken abends auf dem Sofa, um die Welt zu retten? Von fern sehen wir die hellen Lichter der gepflegten Eigenheime der Besserverdienenden, die sich hinter dicken Mauern verschanzen. Im schicksten Wohnhaus sitzen Esken und Barley gemütlich bei einem Glas Wein und unterhalten sich darüber, wie uneinsichtig die Bürger doch sind, weil sie sich über gelegentliche Stromsperren beklagen.

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