Kommentar zu Elke Heidenreich: „Ich möchte, dass wir wieder zu einer Art Normalität zurückkehren“ von Warte nicht auf bessre zeiten

Dass die Jugend nicht mehr sprechen/lesen/schreiben kann, wäre auch mit einem besseren Bildungssystem nur graduell anders. Es ist die Gesellschaft selbst, die diese Fähigkeiten nicht mehr erfordert, jedenfalls nicht in der Breite. Mit Ikons, SMS etc. kommt man durchs leben und sie zerstören zugleich die Sprache, wie wir sie als Hochsprache kennen. Selbst die meisten Abiturienten dürften heute einen Text von Hegel nicht mehr lesen und verstehen können.
Im Römischen Reich konnten fast alle etwas lesen, dann kam eine jahrhundertewährende Zeit, in der nur noch eine gebildete Oberschicht (Latein) lesen und schreiben konnte. Die Kirchenfenster waren die Comix der Zeit. Deutsch war eine Kauderwelschsprache. Erst mit Luther änderte sich daran langsam etwas. Ein allgemeines Schulsystem begann sich in Deutschland erst vor etwa 300 Jahren wieder zu entwickeln. Erst 1919 wurde eine allgemeine Schulplficht in ganz Deutschland eingeführ. Es war die Arbeiterklasse selbst, die Bildung anstrebte, weil sie synonym für Wohlstand war. 100 Jahre später ist der Höhepukt der Breitenbildung längst überschritten und die technologische Entwicklung sorgt dafür, dass es weiter „bergab“ gehen wird. Im Internet müssen Sie keine komplexen Sachverhalte schildern oder verstehen, sondern Dinge auf das Niveau von Plakatparolen bringen. Texte werden von Automaten vorgelesen. Die Autoren werden sich den Fähigkeiten der Automaten anpassen, da sie auch „vorgelesen“ verständlich sein wollen. „Einfache Sprache “ wird die neue Norm des IT-Gadget-proletariats werden. Die Gender-Sprache funktioniert ohnehin nur auf diesem Niveau. Um zu überleben, müssen Sie gar nichts können, selbst den Hartz IV Antrag füllen andere Ihnen aus. Die „Literatur“ wird sich zwangsläufig dieser Entwicklung anpassen. Ich glaube auch nicht, dass das Dekadenz ist (höchsten ein Symptom), sondern wir gehen einfach in eine vollkommen neue Zeit. Wir stehen an einem Epochenumbruch ähnlich wie am Beginn der Industrialisierung. Kommunikation findet in der Breite schon jetzt im Kern über Bilder statt, die Kommentartexte sind meist nicht mehr als in die Länge gezogenen Bildunterschriften. Die Wirtschafts- und Energiekrise wird erst sehr langsam wieder ein neues Bildungsbewusstsein entstehen lassen, in Jahrzehnten. Corona hat uns geistig ins tiefste Mittelalter zurückkatapultiert. Jeder Anspruch an Logik und Konsistenz wurde aufgegeben. Einzig die „fromme Denkungsart“ zählt noch.

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