Fake News: Mehrheit für den Aberglauben

Gott liegt weiterhin deutlich vor Hellseher*innen, Schamanen, Heilernden und Astrolog;:_*/Innen.

Die Pandemie hat sie zu einer zentralen Überlebenstaktik gemacht, der nicht nur Politiker*_:Innen, sondern auch ein Großteil der Bevölkerung zu folgen bereit war. Wissenschaft war die Waffe im Kampf gegen das Virus, Forscher, Virologen, Epidemiologen und mathematische Modellierer entwickelten sich ebenso wie Youtube-Wissenschaftlerinnen zu Stars, auf deren Wort gehört wurde.  

Sturmgebet gegen die Seuche

Dahinter zurückzufallen schienen zeitweise traditionelle Strategien der Krisenbewältigung: Als Papst Franziskus in einer frühen Phase der Pandemie zu einem “Sturmgebet” gegen die Seuche aufrief, blieb der spezielle Gebetsgottesdienst gegen das Corona-Virus ebenso wirkungslos wie der Sondersegen “Urbi et Orbi”, mit dem Gottes Stellvertreter auf Erden beabsichtigt hatte, den Herren im Himmel das einmütige Gebet aller seiner Jünger hören zu lassen.

Ein anderes Ergebnis wäre allerdings auch ein wahres Wunder gewesen. Seit Jahrzehnten schon beten Päpste immer wieder für den Weltfrieden, zuweilen auch für die Befriedung bestimmter Weltregionen. “Möge zwischen Israelis und Palästinensern die Kultur der Begegnung wachsen und der Friedensprozess wieder aufgenommen werden”, bat auch Papst Franziskus immer wieder, gewandt direkt an Gott, wie der Vatikan offenbarte. “Vom auferstandenen Herrn erflehen wir die Gnade, nicht dem Stolz nachzugeben, der die Gewalt und die Kriege schürt, sondern den demütigen Mut zur Vergebung und zum Frieden zu haben”. Ein Effekt war nie zu entdecken, Gott hört nicht, er hat sich einmal mehr anders entschieden. 

Gott hört nicht

Oder aber, das Fehlen jeglichen Beweises für das Gegenteil spricht dafür, es gibt ihn gar nicht. Ein Umstand, der eine relative Mehrheit der Deutschen allerdings nicht irritiert. 60 Prozent der Menschen hierzulande geben bei Befragungen an, an einen “Gott” zu glauben, den sie sich als eine Art höheres Wesen vorstellen, das die Geschicke der Welt, aber auch ihr eigenes Schicksal lenkt. 2.000 Jahre Wettbewerb zwischen Wissenschaft und Aberglaube haben in den dunkeldeutschen Regionen im Osten Spuren hinterlassen. 

Hier sind 70 Prozent der Bürger_:;*+Innen konfessionslos. Der Westen dagegen wird auch 300 Jahre nach dem Zeitalter der Aufklärung zu 80 Prozent von Menschen bewohnt, die die menschliche Vernunft als universelle Urteilsinstanz ablehnen und stattdessen eine unsichtbare Entität mit bisher unentdecktem Wohnsitz für die entscheidenden Weichenstellungen im privaten wie im gesellschaftlichen Leben verantwortlich machen. 

Stärkere Neigung im Westen

Bereits im Frühjahr hatte der Medien- und Konsumforscher Hans Achtelbuscher auf die stärkere Neigung der Westdeutschen zu Aberglauben, Christentum und Religiosität hingewiesen. „Wir haben es mit Menschen zu tun, die teilweise in einer Form durch Aberglauben sozialisiert sind, dass sie auch nach 100 Jahren nicht in der Demokratie angekommen sind“, sagte Achtelbuscher. Ein Teil der Bevölkerung habe „gefestigte Ansichten“, die sich an Horoskopen, Fernsehwahrsagern und selbsternannten Untergangspropheten orientierten. 

Nach Einschätzung des Wissenschaftlers, der am An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung Phänomene wie das Themensterben in den deutschen MedienSprachregelungsmechanismen und den Einfluss subkutaner Wünsche auf die berichterstattete Realität erforscht, sei nur geringer Teil dieser Gläubigen „potenziell rückholbar“. Es bleibe nur Bildungsarbeit und das Hoffen „auf die nächste Generation“.

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