Falscher Olympiasieger: Als Deutschland noch Titel gewann

Die Feier wird bescheiden sein, vermutlich gar nicht stattfinden. 45 Jahre nach dem Olympiasieg der Fußball-Nationalmannschaft der DDR in Montreal, hat die halbe Nation den 3:1-Endspiel-Sieg gegen Polen vergessen. Und die andere Hälfte hat sogar nie von ihm gehört.  

Der 31. Juli 1976 aber hat sich denen, die dabeigewesen sind, eingebrannt, kam er doch einigermaßen überraschend. Trotz ihres vielbeachteten Auftritts bei der Fußball-WM zwei Jahre zuvor galt die DDR-Mannschaft um Dixie Dörner nicht als Favorit. Zudem war es dem Weltfußball-Verband damals noch nicht gelungen, das Olympiaturnier zu dem Aufeinandertreffen von nNchwuchsmannschaften zu degradieren, das es heute ist.

Beim DFB jedenfalls läuft der Sieg unter “DDR bei Olympia: Gold, Silber, Bronze und bitteres Ende“, fast klingt es bedauernd, dass da überhaupt etwas war. Der Rest der Sportwelt verweist darauf, dass die großen Fußballnationen in Montreal ja nur mit Amateuren am Start waren, die Ostblock-Staaten jedoch ihre Staatsamateure schicken konnten. 1972 in München, als die DDR die Bundesrepublik in einem Spiel schlug, dass die Ostseite als Länderspiel führte, die Westseite aber lieber nicht, waren unter den DFB-Amateuren Nickel, Hitzfeld, Hoeneß und Derwall, Croy, Weise, Zapf und Kreische aber schickten den frischgebackenen Europameister trotzdem mit 3:2 geschlagen nach Hause.

Noch so ein Spiel, das in den Annalen kaum jemals erwähnt wird.  Der Osten hat keine Medien, die die Erinnerung feiern könnten. Der Westen aber macht im Spiel wir gegen uns einen klaren Unterschied zwischen den beiden deutschen Nationalteams: Das eine ist das richtige, das 1908 in seinem ersten Länderspiel als Nationalauswahl des Deutschen Reiches 3:5 gegen die Schweiz verlor, bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam gegen denselben Gegner deutlich gewann und 1936 bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin mit einem 9:0 gegen Luxemburg ins Turnier startete. Das andere ist das, was nie war, jedenfalls nicht richtig. Das auch mal gewann, dann aber nur als Muntermacher für den echten Meister.

1976 holte die DDR den Titel nach einem Remis gegen Brasilien, einem 1:0 gegen Spanien und einem 4:0 Frankreich mit Michel Platini, der Endspielgegner Polen war amtierender WM-Dritter, im Sturm spielte WM-Torschützenkönig Grzegorz Lato. Hartmut Schade (7.), Martin Hoffmann (14.) und  Reinhard Häfner (84.) schossen die deutschen Tore. “Mit spritzigem Angriff und sicherer Abwehr zum ersten Olympiasieg”, feierte das SED-Zentralorgan Neues Deutschland. Der “Spiegel” aus Hamburg meldete den Olympiasieg der “Brüder und Schwestern” nicht.

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