Evakuierung: Nach Buchfund in altem Baumbestand

Sieht harmlos aus, kann aber für Aufregung sorgen: Ein Buch aus der fortschrittlichen DDR.

250 Gramm nur wiegt es, fest gebunden in ein frühzeitliches Leinen und versehen mit einem kindlich-verspielten Schutzumschlag. Doch war einige Halbwüchsige jetzt im bayerischen Tansbach in einem Gebüsch am Rande einer Kleingartenanlage fanden, sorgte denn doch für Aufruhr. Direkt in Bahnhofsnähe lag das explosive Relikt einer vergangenen Zeit: Ein vorgeblich vom kommunistischen Schriftsteller Ludwig Renn geschriebenes Buch mit dem Namen “Der Neger Nobi”, das Unbekannte ohne ersichtlichen Grund in der kleinen Grünanlage platziert hatten.  

Ein ungewöhnlicher Fund

Unmittelbar nach der Meldung des ungewöhnlichen Fundes schrillten in der kleinen Stadt die Alarmsirenen. Kurz darauf mussten mehr als 2.500 Menschen ihre Häuser verlassen, um eine gefahrlose Bergung des Fundes zu ermöglichen. Mehr als 80 THW-Kräfte aus sechs Ortsverbänden unterstützten die Evakuierung, Hand in Hand mit Beamten von Feuerwehr, Buchbergungskommando dem polizeilichen Staatsschutz. Uniformierte Beamte sicherten das Gelände, Psychologen kümmerten sich um die verstörten Neun- bis Zwölfjährigen, während der Staatsschutz erste Spuren sicherte.

Es war schon dunkel, als endlich die Entwarnung kam: Um 22 Uhr verkündete der Buchbergungsmeister, dass die provokative Schrift entschärft und sichergestellt worden sei. Das 250 Gramm Machwerk, ersten Ermittlungen zufolge ursprünglich wohl wirklich vom damaligen Sekretär im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und Herausgeber der kommunistischen Literaturzeitschriften Linkskurve und Aufbruch verfasst, konnte schadfrei und ohne weitere Öffentlichkeitswirkung abtransportiert werden. 

Professionell gemachtes Machwerk

Der Hintergrund der Aktion, die das Stadtzentrum den gesamten Tag über lahmgelegt hatte, ist bislang unklar. Einsatzkräfte vermuten, dass rechtspopulistische Provokateure hinter der Auslegung des professionell gemachten Machwerkes stecken könnten. Die Bergung zu sichern, sei eine große Aufgabe gewesen, hieß es. Ehrenamtliche Helfer waren von Tür zu Tür gegangen, um Zeugen zu suchen und die 2.500 Menschen in einem festgelegten 500-Meter-Sicherheitsradius zu evakuieren. Anwohnerinnen und Anwohner wurden informiert und in Notunterkünfte geleitet. Gleichzeitig transportierten sie mit ihren Einsatzfahrzeugen Personen und leiteten den Verkehr um. 

Trotz des großen Ausmaßes des Einsatzes gelang es dem Krisenstab jederzeit, den Überblick zu behalten. Über Verbindungspersonen im betroffenen Gebiet wurde auf die Gefahren einer Annäherung an das Bergungsgebiet aufmerksam gemacht, ohne Einzelheiten zu nennen, die Teile der Bevölkerung hätten irritieren können. Vier Fachberaterinnen und Fachberater waren im Einsatz, die zwischen den verschiedenen Stellen vermittelten. Erst nach mehr als 10 Stunden kam Entwarnung und die Menschen konnten sicher in ihr Zuhause zurückkehren.

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