Kommentar zu Warum es uns gibt von Johanna Spieth

Verehrter Herr Stein, ich finde den Inhalt wichtiger als die Form. Und die inhaltliche Ausrichtung der JF hat sich leider gewandelt – weg von einer teilweisen Radikalopposition und (fast schon) hinein in die bürgerliche Mitte. Ich verfolge Ihr Medienprojekt seit Ende der 1980er Jahre teils aus anteilnehmender Nähe, teils aus skeptischer Distanz. Phasen der Begeisterung wechselten mit Ernüchterung und Enttäuschung. Im Moment ist es eine kritische Wegbegleitung – und eine zähe Hoffnung: Dass nämlich aus Klarheit und Übersichtlichkeit der neuen Darstellung auch inhaltlich eine fortlaufende Klärung im Sinne einer Horizonterweiterung erwächst. Und zwar dahingehend, dass die engen bürgerlichen Grenzen aufgebrochen werden. Dass die langatmigen, mitunter langweiligen Themen aus der bürgerlichen Lebenswelt konsequent und provokativ überschritten werden hin zu einer mutigen, originellen Querfront rechter und linker Gedanken. Oder soll die JF noch mehr als bisher an das zivilgesellschaftliche, wertebasierte, westorientierte Spektrum der BRD angedockt werden? Ich befürchte das. Aber das wäre jammerschade.

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