Unheimlich positiv

BERICHT. Aktuelle Persönlichkeitswerte des Kanzlers, die von Tageszeitungen veröffentlicht worden sind, könnten unterschiedlicher kaum sein. „Heute“ macht sie jedoch nachvollziehbarer als „Österreich“.

Die Tageszeitung „Österreich“ vom 10. Mai und die Tageszeitung „Heute“ vom 3. Mai präsentierten Umfragen mit ähnlichen Fragestellungen, zum Teil aber konträren Ergebnissen – vor allem in Bezug auf Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

„Heute“ ließ das Institut „Unique Research“ von 26. bis 29. April online bei einem Sample von 500 fragen, ob bestimmte Politikerinnen und Politiker in den vergangenen 14 Tagen „positiv“ oder „negativ aufgefallen“ seien. Inklusive Hinweis, dass die maximale Schwankungsbreite plus/minus 4,4 Prozent betrage, wurden beide Werte sowie jener für „kenne ich nicht“/„keine Angabe“ veröffentlicht. Beispiel: Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz sei 28 Prozent „positiv“ und 43 Prozent „negativ aufgefallen“. Bleiben sechs Prozent („kenne ich nicht“/„keine Angabe“) sowie ein „Rest“ von 23 Prozent („weder positiv noch negativ“).

Österreich“ ließ von 4. bis 6. Mai wiederum das Institut „Research Affairs“ 1000 Online-Interviews durchführen („max. Schwankungsbreite 3,2 Prozent“). Auch hier ging es laut Bericht darum, wer „positiv bzw. negativ aufgefallen“ sei. Ausgewiesen wird ausschließlich ein Saldo als „Barometer-Wert“. Ergebnis: „Schon lange führt Sebastian Kurz das Ranking an, aktuell kommt der Kanzler auf 35 Prozent.“ Plus. Bei „Heute“ wäre der nicht angegebene Saldo in seinem Fall – mit minus 15 – negativ gewesen.

Bei den Chefs der übrigen Parteien, die im Parlament vertreten sind, sind die Unterschiede kleiner (siehe Grafik). Bei SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner ergibt sich in beiden Fällen sogar ein gleich niedriger Saldo – von minus neun.

Unterschiede können sich naturgemäß aufgrund der genauen Fragestellung ergeben. Bei „Heute“ wird etwa ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es neben „positiv“ oder „negativ“ auch die Antwortmöglichkeit „weder noch“ gibt. Das ist ein wichtiger Punkt im Sinne von Nachvollziehbarkeit bzw. Glaubwürdigkeit der Erhebung. Der Anteil, der darauf entfällt, kann sich naturgemäß auf die Anteile von „positiv“ und „negativ“ auswirken. Auf die Angabe eines Saldos, der ebenfalls mit davon abhängt, verzichtet die Tageszeitung wie erwähnt ganz. „Österreich“ dagegen führt nicht aus, aus welchen Werten sich die Salden ergeben haben.

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