Eine Bedrohung anders als die anderen

Von Jože Biščak (Ljubljana/Laibach)

Wir haben so gut wie alles schon einmal gesehen, gehört und gefühlt. Selbst politischen Kommentatoren, selbsternannten Ökonomen, einfühlsamen Soziologen, Meinungsmachern, Faschismus- und Rassismusbekämpfern und Propheten vom Dienst fällt nichts Neues mehr ein. Und wie es sich für Kaviar-Sozialisten gehört, haben sie noch einen Silberring für ihre Seidenservietten am Esstisch. Wie Mandarine werden sie gut versorgt und mit Hilfe der Mainstream-Medien an die Spitze einer Kulturrevolution gestellt, die mit einem Zauberstab die sozialen Diskrepanzen korrigieren soll, die durch die reaktionäre bürgerliche westliche Tradition verursacht wurden. Nur noch ein oder zwei Tage, nur noch ein bisschen Zeit, sagen sie, und dann werdet ihr alle Silberringe auf euren Seidenservietten und eurem Besteck haben.

Die linke Elite ist nicht beunruhigt. Wenigstens übertreiben die Alten nicht mit der Geschwindigkeit ihres Herzschlags. Selbst ihre Zukunftspläne, mit denen sie seit Jahrzehnten (durch alle Systeme) experimentieren und die immer in einem Desaster endeten, werden bei immer älterem Wein diskutiert. Sie haben mehr oder weniger ihre Arbeit getan, sie haben eine Armee von aggressiven Jammerern aufgezogen, die nicht zögern werden, wenn nötig auch zu physischer Gewalt und Liquidationen zu greifen. Und die ersten Anzeichen dieses sich entwickelnden Konzepts, hinter dem die roten und regenbogenfarbenen Kämpfer gegen Armut und kapitalistische Ausbeutung stehen, sind schon da: Drohungen.

So war ich letztes Wochenende (wieder) auf der Polizeistation. Diesmal nicht wegen der Denunziationen durch linke Aktivisten und den slowenischen Journalistenverband, die überall in unserer „Demokracija“ die Förderung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wittern, sondern wegen zweier Briefe, die an unsere Redaktion gerichtet waren (siehe Kopie unten). Die Briefe waren fürchterlich, denn den Redakteuren und Journalisten von „Demokracija“ wird von den Erben der kommunistischen Ideologie versprochen, dass sie uns und unsere Familien abschlachten werden.

Das waren keine Bonmots und erfundene Adjektive, es waren auch keine Spötteleien und Anschuldigungen über das, was wir sind. Es waren nicht einmal die üblichen Bedrohungen, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, und wir sind uns dessen bewusst, denn der Beruf des Journalisten birgt ein gewisses Risiko: man kann es eben nie allen recht machen. Es gibt immer jemanden, der sich über einen bestimmten Artikel mit den Fäusten austauschen will.

Ein mit linker Ideologie aufgepumpter Psychopath

Diese Bedrohung war aber nicht so, diese Bedrohung war anders als die anderen. Die Briefe machen deutlich, dass der Absender sich wegen unserer konservativen Weltanschauung, unserer Ablehnung des Progressivismus „gestört“ gefühlt hat. Es war die Tat eines Psychopathen, ideologisch aufgepumpt von einer zunehmend radikalen Linken. Für sie wird Gewalt zu einem legitimen Mittel der Abrechnung mit all jenen, die eine andere Sicht der Welt und der Ereignisse um sie herum haben. Natürlich werden sich die Champagner-Linken damit nicht die Hände schmutzig machen. Gebildete Psychopathen und Berufsverbrecher sind viel geschickter, denn sie lenken die Aufmerksamkeit von den selbstgefälligen Erstklässlern in einer Mediapolis ab, in der die Hauptkommunikationsmittel Lügen und Manipulation sind. Sie leben in einer Parallelwelt, die Realität ist für sie tabu. Und die Realität kann sehr grausam sein, und Drohungen und Liquidationen sind Teil dieser Strategie. Deshalb haben wir in der Redaktion die Drohungen sehr ernst genommen. Das war auch bei Charlie Hebdo so. Erst Drohungen, die niemand ernst nahm, dann verhaftete die Polizei hier und da einen der Besessenen (der in einer französischen Satirezeitschrift Islamophobie sah), dann folgte das Massaker in der Redaktion. Und diejenigen, die den Wahnsinn früher hätten beenden sollen, ließen sich auf dem Place de la République in Paris mit den Worten „Je suis Charlie“ fotografieren. Wie zum Hohn.

Ich möchte nicht, dass so etwas in den Redaktionsräumen der „Demokracija“ passiert, und ich möchte auch niemanden in der Prozession sehen, der ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Demokracija“ trägt. Es wäre eine Belehrung für alle, dass die einzig wahre Ideologie der Progressivismus ist, gleichzeitig die Beerdigung des konservativen Journalismus, das Ende der Realität. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass es notwendig sein würde, die Behauptung, die Sonne sei gelb, der Schnee sei weiß und das Gras sei grün, mit dem Schwert zu verteidigen.

Jože Biščak ist Chefredakteur und Herausgeber der Wochenzeitung „Demokracija“, langjähriger investigativer Journalist und seit 2020 Präsident des slowenischen Verbandes der patriotischen Journalisten sowie Autor von drei Büchern.

Dieser Beitrag erschien erstmals bei DEMOKRACIJA, unserem Partrner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION.


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