Kommentar zu Sehnsucht nach Normalität von Johanna Spieth

Als Antwort auf Johanna Spieth.

Liebe Frau Ursel, damit meine ich, dass wir die Befindlichkeit in den neuen Bundesländern sowie in Ostmittel- und Osteuropa ernst nehmen. Dort hat man berechtigte Zweifel an unserer westlichen Werteordnung, die als einengend und bevormundend empfunden wird. Ich meine jetzt nicht die Reise-, Meinungs- und Religionsfreiheit, die überall einen hohen Stellenwert hat (oder haben sollte). Ich meine neu erdachte Werte wie Buntheit und Vielfalt, worunter die gleichberechtigte und öffentlich überall hinausposaunte Geltung jeder (auch noch der winzigsten und seltsamsten) Minderheit zu verstehen ist. Demgegenüber spüre ich in den neuen Bundesländern und in Russland eine gesunde, weil innerlich robuste Achtsamkeit gegenüber dem, was naturgegeben und geschichtlich gewachsen einfach da ist. Die Leute wollen genau das erhalten und entwickeln, was ihnen vertraut ist, und es nicht vermischen mit künstlich fremden Ideen, die in Denkfabriken in Washington, New York, Paris, Frankfurt oder Berlin am grünen Tisch ersonnen werden. Im Osten ist die Sehnsucht nach Normalität im europäischen Vergleich wohl am größten. Deshalb ist der Osten in dieser Hinsicht vorbildlich und erstrebenswert. Ex oriente lux.

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