Kommentar zu Sehnsucht nach Normalität von Johanna Spieth

Sehr geehrter Herr Stein, haben Sie es wirklich nötig, wiederum so laut in das Horn der Mäßigung zu stoßen? Seit vielen Monaten beobachte ich, dass Sie aussschießlich auf bürgerliche Kräfte in der AfD setzen. Als Chef des führenden rechtskonservativen Blattes unserer Republik sollten Sie aber doch in der Lage sein, dialektisch stets mehrere Optionen durchzuspielen – ähnlich wie Sie es in den Anfangsjahren der JF so meisterlich getan hatten. Später haben Sie sich nur noch auf eine Richtung versteift, der Sie am liebsten eine Vorrangstellung geben würden. Genau diese von Ihnen favorisierte Richtung hat in Dresden einen Dämpfer erlitten. Libertäre aus den alten Bundesländern und Sozialpatrioten aus Mitteldeutschland sind ein informalles Bündnis in Sachfragen eingegangen. Demgegenüber erwies sich die Linie des Bundesvorstandes als nicht mehrheitsfähig. Wäre es da nicht fair gewesen, dass Sie den Erfolg Ihrer Gegenspieler nun auch anerkannt hätten? Das hätte ich als nobel empfunden. Ihr anfängliches Schweigen zum Parteitag wertete ich als stillschweigendes Respektieren der Ergebnisse. Nun wurde ich enttäuscht. Ich glaube, es geht vielen Leserinnen und Lesern ähnlich.

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