Verhältnis von Theorie und Empirie

„Übertreiben die Volkswirte die Empirie?“ Als ich studierte, dominierte noch die Theorie. Das hat sich inzwischen geändert, da sowohl Daten viel besser verfügbar als auch ihre Verarbeitung viel leichter geworden sind. Das ist sehr begrüßenswert, doch inzwischen könnte das Pendel zu weit in die andere Richtung ausgeschlagen sein.

Es gibt keinen Gegensatz zwischen Theorie und Empirie, sondern beide sollten auf bestmögliche Weise kombiniert werden. Immanuel Kant erkannte bereits: „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“ Dabei ist „blind“ vielleicht nicht der optimale Begriff für eine rein sinnliche bzw. empirische Wahrnehmung der Welt, doch ohne Theorie fehlt ein Gerüst zur Einordnung der Fülle der Phänomene.

Auch wenn Theorie und Empirie verbunden werden, geschieht das häufig nicht auf die optimale Weise. Denn es wird regelmäßig versucht, eine Theorie bzw. ein Modell empirisch zu bestätigen, was nicht unproblematisch ist und häufig überinterpretiert wird. Besser wäre es, kritische Tests zwischen verschiedenen Theorien zu entwickeln und damit auch die Theorieentwicklung voranzutreiben. Das ist allerdings schwieriger und ich muss zugeben, dass ich selbst das kaum mache.

Allerdings muss auch nicht jeder alles machen. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft ist es durchaus sinnvoll, wenn es reine Theoretiker und reine Empiriker gibt und darin jeweils weitere Spezialisierungen sowie Generalisten, die beides können, wenn auch nicht ganz so tief. Dagegen ist es nicht so gut, wenn es fast nur Theoretiker oder umgekehrt ganz überwiegend Empiriker gibt. Ebenso sollte es keine Verengung auf nur eine Theorie oder Methode geben. Das bedeutet nicht, dass alle Theorien und Methoden gleich gut sind. Doch um die besten zu finden, sollte es Wettbewerb in der Wissenschaft geben wie in der Wirtschaft auch.

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