Auf den Kanzler (Kandidaten) kommt es an

Schön ist es nicht für die SPD. Alle Gazetten, selbst die aus dem eigenen Medienkonzern, haben derzeit nur ein politisches Thema: Wer ist der bessere Kanzlerkandidat? Und niemals ist damit Olaf Scholz gemeint. Dabei hat die SPD alles richtig gemacht. Als Parteichef wurde eine Zuchtmeisterin gewählt vom Typ scharfer Hund, der fürs Menschliche und die Geschlechtergerechtigkeit ein freundlicher Ruheständler beigestellt wurde. Als Kandidat fürs Volk hingegen schickte die Partei ihren Umfragen-Champ, den unglaublichen Olaf, nach vorne. Nun hat das zwar nichts gebracht – die Partei dümpelt um die 15 Prozent – aber die Genossen konnten sich schnell wieder der „Sacharbeit“ (Partei-Euphemismus) hingeben. Vielleicht fehlt der Sex-Appeal, denn eine lüsterne Presse malt sich längst aus, wie ein Pärchen Söder/Baerbock die Auflagen beflügeln und die Kommentatoren enthusiasmieren könnte. Würde Annalena Söders neue Dorothee? Oder fliegt das Regierungsgeschirr durch den Sitzungssaal? Von daher sind die Präferenzen für diese Paarung leicht nachvollziehbar. Bei Laschet/Habeck wäre hingegen nicht mal klar, wer die Trutsche und wer der Stenz ist. Anders als die Union, bei der breite Kreise mangels Inhalten auf sinnlichen Moschus setzen („Frauen würden Söder wählen“), hat sich die SPD nach den Aufreißer-Zeiten unter Willy und Gerd der sinn(en)freien Vielgeschlechtlichkeit verschrieben. Für einen SPD-Kandidaten ist das Geschlecht seither nur noch ein gesellschaftliches Konstrukt. Also kann man den Olaf nur noch an seinen Worten messen. Dazu eignet sich besonders gut seine Einstellung zur Rechtstaatlichkeit. Nun hat sich selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags tapfer und zweifelnd zu Merkels neuem Ermächtigungsgesetz geäußert – die Kujonierung des Volkes allein nach Inzidenzen sei nicht […]

Leserbriefe

Nachrichten, Kommentare, Leserbriefe - News im Minutentakt.