Sputnik: Was enthält der russische Impfstoff wirklich?

Für Gesundheitsminister Spahn ist der russische Impfstoff Sputnik V eine Alternative zu dem problematischen Stoff von AstraZeneca. Und das war er wohl auch für die slowakischen Gesundheitsdienste. Doch nun stellt sich heraus,meldet die Welt, dass der gelieferte Impfstoff andere Eigenschaften aufweist, als derjenige Stoff, dem die britische Fachzeitschrift »The Lancet« eine hohe Wirksamkeit bescheinigte und der ebenfalls Sputnik V sein soll.
Und nicht nur die Eigenschaften der Vakzine sind verschieden. Auch Lagerbedingungen, Zusammensetzung und Herstellungsverfahren sind grundverschieden. Das ermittelten die slowakischen Behörden durch einen Vergleich mit den Daten anderer Länder. »Diese Vakzine haben nur den Namen gemeinsam«, schrieben die Kontrolleure in Pressburg wörtlich.
Die Slowakei hatte am 1. März eine erste Lieferung von 200.000 Impfdosen aus Russland erhalten, diese aber bisher nicht eingesetzt. In der EU ist Sputnik V nicht zugelassen, wird allerdings von mehreren Ländern bereits eingesetzt. So hat Ungarn bereits im Februar begonnen, Sputnik V zu verabreichen. Bayern unterzeichnete vor zwei Tagen einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Sputnik-Dosen, Mecklenburg-Vorpommern spekuliert seit gestern auf eine Option über eine Million Dosen.
In Russland selber wird Sputnik V seit vergangenem August verimpft – lange bevor wissenschaftliche Studien auch nur die Sicherheit innerhalb kurzer Zeiträume garantieren konnten. Moskau, nicht gerade bekannt dafür, seine Bürger umsichtig zu behandeln, setzte dem Großversuch die Krone auf, indem es die Studie gleich an der gesamten Bevölkerung durchführen ließ.
Zyniker könnten sagen: Zumindest statistisch gehen die russischen Gesundheitspolitiker damit einen sicheren Weg: Statt zunächst an einer Stichprobe das Vakzin zu probieren und es unsicher zu lassen, in wieweit die Ergebnisse verallgemeinert werden können, versucht man an der Population, also an allen und weiß dann, wie es wirkt.

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