Linkspartei droht Aufspaltung

Die Wahl der neuen Führung hat bei der Linkspartei die internen Gräben noch weiter aufgerissen als bisher. Die Vertrauten und Anhänger des Lagers von und um Sahra Wagenknecht fühlt sich ausgebremst und nicht ausreichend berücksichtigt. Das sich durchgesetzt habende Lager, so die Vorwürfe, bestünde aus »Regierungssozialisten«, die dazu bereit seien, die Programmatik der Partei aufs Spiel zu setzen, nur damit sie als Option für wie auch immer geartete Regierungen agieren können. Zudem gebe es eine große Gruppe von »Bewegungslinken«, die nicht wirklich mit der Programmatik der Partei übereinstimmten, sondern linksliberale seien, so ein weiterer Vorwurf.
Im September 2018 gründete Sahra Wagenknecht die Sammlungsbewegung »Aufstehen«, der allerdings kein allzu großer Erfolg beschieden war. Das könnte sich jetzt ändern, denn viele Anhänger und Mitglieder des Wagenknecht-Lagers sind dermaßen unzufrieden mit den jüngsten Ereignissen, dass sie nun laut über die Gründung einer eigenen, kernsozialistischen Partei nachdenken.
Einige dieser Anhänger machen ihrem Unmut in diversen Foren Luft. So wirft der ebenfalls für den Parteivorstand durchgefallene Ralf Krämer den Bewegungslinken einen »Bewegungsfetischismus« vor und eine »überzogene Fixierung auf vermeintlichen Antirassismus«. Ähnliche Töne kommen von Harri Grünberg, der ebenfalls bei der Wahl der neuen Parteiführung durchfiel. Es sei »ein ganzer Flügel (sic!) aus der Partei ausgegrenzt worden«, die Partei sei nun nurmehr eine urbane »Milieupartei«. Man müsse über die Gründung einer neuen Partei nachdenken, »falls sich alle anderen Möglichkeiten verschließen«. Den letzten Passus hat er in der Zwischenzeit allerdings wieder gelöscht.
Sahra Wagenknecht hat sich bisher zu den Vorkommnissen nicht geäußert. Die parteiinternen Gräben scheinen allerdings in der Zwischenzeit derart vertieft zu sein, dass sie an die damalige Zerreißprobe der Grünen zwischen Realos und Fundis erinnert.

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