#Leserbriefe : #Relotius – #Tichy – #Spiegelgate

Claas Relotius hat das Weltgeschehen im Sinne von „Relevanz ist Emotion“ koloriert. Er ist weiter gegangen als andere, aber er hat im Grunde nichts anderes gemacht. Auch er hat das Lagerfeuer der Gefühle angeblasen. Entsetzen, Betroffenheit, Empörung sind die Hauptzutaten der großen medialen Verwurstung. Relotius war mit allen seinen Geschichten vor allem ein blendender Gefühlsakrobat. Die Verpackung (bei Relotius sagt man feiner: Stil) wird für wichtiger gehalten als inhaltliche Präzision, Logik und Skepsis. Wer mit Emotionen arbeitet, erspart sich Recherche. Gefühle erleichtern die Arbeit und erhöhen die Resonanz. Damit lassen sich Vorgesetzte und Preisjurys ebenso ködern wie Leser und Zuschauer.
Auch das Weglassen, das Wegschauen ist Fälschung. Wenn etwas nicht gebracht wird, nur weil es nicht emotional, grell und erregend genug ist. Oder nicht in die gewünschte Richtung passt. Am einfachsten sind die Geschichten zu verkaufen, die Vorurteile und aktuellen Gefühlswogen bestätigen. Claas Relotius wurde zum Star, weil er dem Mainstream Zucker gab. Ein hoch begabter Opportunist. Schämen sollten sich die, die ihn dazu anhielten, darin bestärkten und dafür auch noch prämierten.

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