Clubhouse-App: die neue Plattform für die Moralelite

Von Elisa David | Der eine oder andere, der seine Zeit nicht mit so niederen Dingen wie dem Erarbeiten von Steuergeldern verbringt, mag ihn vielleicht mitbekommen haben – den neuen großen Hype unserer Politik-Elite: Clubhouse. Bei Clubhouse handelt es sich um eine App, die ausschließlich auf Audioinhalten basiert – böse Zungen bezeichnen es als das Twitter für Legastheniker und Schreibfaule. Man kann es sich als interaktiven Podcast oder öffentliches Telefonieren vorstellen.

Was das Format so anziehend macht? Nun, ob es – wie die Betreiber der App behaupten – aus Versehen so gekommen ist, oder doch so geplant war: Die App ist hoch exklusiv. Man kann sich die App zwar im App-Store herunterladen, benutzen kann man sie aber erst, wenn man die Einladung eines Users hat, der schon „im Club ist“. Aktiven Nutzern stehen allerdings nur zwei Einladungen zur Verfügung – der Stoff an dem Freundschaften zerbrechen. Hat man keine Einladung, wird man auf eine Warteliste gesetzt. Die Betreiber begründen das damit, dass sie die noch neue App nicht mit zu vielen Usern auf einmal zu überfordern wollen und lieber qualitativ nach und nach Kapazitäten für mehr Nutzer schaffen. In Wahrheit geht es wohl um High-Society-Simulation für Wichtigtuer im Lockdown.

Gerade die Exklusivität ist es, was Clubhouse für so viele so anziehend macht. Die Betreiber können sich nicht beschweren, denn aktuell ist Clubhouse auf Platz 1 der meistheruntergeladenen Social-Media-Apps im Apple App Store.

Aber selbst wenn man gute Verbindungen hat, gibt es noch einen Haken – denn bis jetzt ist Clubhouse nur für Apple-Nutzer verfügbar. Ein interessantes Detail, denn dafür, dass Apple so gerne als böser kapitalistischer Megakonzern gebrandmarkt wird, der chinesische Kinder ausnutzt und enteignet gehört, ist es doch bemerkenswert, wie viele linke Kapitalismuskritiker dort ihre viele Zeit verdaddeln können.

Auch wenn Clubhouse erst seit kurzem ein Hype in Deutschland ist, so hat die Anwesenheit vieler namenhafter Politiker auf der Plattform bereits für Skandale gesorgt. Wie zuletzt Bodo Ramelow. Der hat wohl noch nicht ganz verstanden, dass man bei Clubhouse eben nicht mit Freunden oder Bekannten telefoniert und höchstens der persönliche KGB-Agent Wladimir das Gespräch mit abhört. Neben Wladimir, der vielleicht trotzdem mitgehört hat, hatte Bodo eine Zuhörerschaft von mehreren tausend Personen – unter anderem zahlreiche Journalisten und andere Politiker, wie Manuela Schwesig – als er letzte Woche nachts davon sprach, dass er in der Ministerpräsidentenkonferenz auf dem Handy Spiele zockt. Bis zu „zehn Level Candy Crush“ schafft er da, während über die Grundrechte, Existenzen und Leben seiner Wähler diskutiert und entscheidet.

Gut, vielleicht ist es nur der Unaufmerksamkeit des Linken-Politikers zu verdanken, dass zum Schutz der Bevölkerung vor Corona noch keine Mauer aufgebaut wurde und zur Rettung der Wirtschaft alle Firmen zum Bevölkerungseigentum gemacht wurden. Trotzdem sind die Äußerungen mehr als bezeichnend. Ob Bodo Ramelow das große Publikum nicht bewusst, es ihm egal war oder er sich vor Journalisten einfach immer so entspannt äußern kann, ohne dass etwas passiert, ist dabei egal. Ramelow und seine Anhänger versuchen sich aktuell gegen einen großen Shitstorm zu verteidigen, denn Johannes Boie von der Welt hat einen Artikel draus gemacht. Dass Ramelow Angela Merkel an dem Abend als „das Merkelchen“ bezeichnete, ist das einzige, für das der sich bisher entschuldigt hat. „Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung.“

Vielleicht hatte er auch einfach Angst, dass die Rückgängigmachung ebenfalls rückgängig gemacht wird.

Dorothy hat es so schwer

Ein anderer Welt-Artikel, der sich mit Bodos Läster-Podcast, seinem „Candy Crash“ und der immer noch ausstehenden Entschuldigung an die Bürger befasste, prallt völlig an ihm ab. Er retweetet lieber Tweets von Parteikollegen und -anhängern, die sich nun das Maul über einen Welt-Artikel vom 1. März 2012 zerreißen. Damals war Schäuble im Bundestag dabei erwischt worden, wie er Sudoku spielte und die Welthat das in ihrem Artikel verteidigt. Deshalb darf sich natürlich heute keiner mehr über Bodo Ramelow beschweren. Dass Anfang 2012 schon ein bisschen her ist, hat wohl keiner mitbekommen – ich für meinen Teil war damals elfeinhalb und wusste weder wer Ramelow, noch wer Schäuble ist. Aber gut, die haben ja noch nicht mal mitbekommen, dass der Sozialismus gescheitert ist.

Doch während die einen Politiker möglicherweise die Reichweite von Clubhouse unterschätzen, sind da andere die sie entschieden überschätzen. Unsere Lieblingsministerin Dorothee Bär zum Beispiel. Die zeigt sich als riesiger Fan von der neuen App und teilt auf ihrem Twitter-Account unentwegt, dass sie auf Clubhouse tatsächlich aus jeder Büchse gesprungen kommt. Ihr Terminkalender scheint zur Zeit sehr spärlich befüllt zu sein, denn ihrer Clubhouse-Aktivität nach zu urteilen, hat sie massig Zeit um sich über jedes erdenkliche Thema auszulassen, dass sie sich aus den Fingern saugen kann.

Am Mittwoch will sie mit Helge Braun zum Thema „Daten als Chance – die Datenstrategie der Bundesregierung“ diskutieren (also hält sie den auch noch vom Arbeiten ab, aber das ist vielleicht auch besser so). Am Dienstagabend unterhielt sie sich mit einer Reihe von Politikern zu dem Thema „Mut im Blut – braucht Politik mehr Führung?“, aber nicht ohne am Mittag am Sprechkreis „Bitkom Tacheles #1: Digitale Bildung“ mitgewirkt zu haben. Die Tage zuvor nahm sie an den Clubhouse-Räumen „Trump weg, Biden übernimmt! Wird jetzt alles anders“, „Auf welche Technologien wir warten!“ oder „Diversity Talk – wird 2021 das Diversity Jahr?“ teil. Bodo Ramelow hat vielleicht respektlos herumgepoltert, aber er hatte wenigstens noch den Anstand, das mitten in der Nacht zu tun. Dorothee Bär dagegen macht gar keinen Hehl daraus, dass sie den halben Tag damit verbringt, mit ihren mehr oder weniger besten Freundinnen zu schnattern.

Vielleicht denkt sie aber auch man könne das als Arbeit bezeichnen, weil sie es ja schließlich in digital und hipp tut. Wäre eigentlich keine große Überraschung, denn wenn sie tatsächlich 24/7 hart und wertschöpfend arbeiten würde, hätte es – das sage ich als Frau – wohl nicht ihren ultraengen Latexrock gebraucht, damit man realisiert, dass sie Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Digitalisierung ist und dass es diesen Posten überhaupt gibt. Für Deutschland ist das Internet an sehr, sehr vielen Stellen noch Neuland, wo andere Länder schon wieder darüber hinaus sind – Stichwort Faxgeräte zum Beispiel. Gerade zu Coronazeiten wäre Digitalisierung ein wichtiges Thema, denn für viele Schüler ist Homeschooling ein Desaster. Dabei braucht Bär gar nicht auf Technologien warten, wie in ihrem genannten Clubhouse-Gespräch, sondern die Technologien zur Verfügung stellen, die es schon gibt. Aber sie ist ja zu beschäftigt, Öffentlichkeitsarbeit auf einer Plattform zu betreiben, die exklusiver kaum sein könnte.

Im Grunde beweist Clubhouse nur, was wir schon immer wussten. Wie damals in der Schule, wo Clarissa und Lara hinter vorgehaltener Hand über Josephine gelästert haben, Neele das mitbekommen und Josephine erzählt hat und Clarissa und Lara sich dann verteidigt haben, dass sie ja nicht wussten, dass ihnen jemand zuhören könnte. Nur damals ging es um die peinliche Frisur oder heimliches Verknalltsein und jetzt – naja, um Politik für Millionen Menschen.

Währenddessen hält Dorothy als Schulsprecherin einen Vortrag vor der Politik-AG. Es geht darum, was sie machen würde und könnte, wenn sie wollte. Ihre Pflicht scheint damit erfüllt zu sein. Morgen wird sie sich dann bei ihren Freundinnen beschweren, wie viel sie doch zu tun hat und dass sie das ja alles nur für sie tut, damit die blöden Jungs nicht unbeaufsichtigt bleiben.
„Kinder an die Macht“ ist vielleicht gar nicht so fiktional, wie wir dachten.

Dieser Artikel von Elisa David erschien zuerst auf TichysEinblick.

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