Kommentar zu „Wir brauchen den Impfstoff, keine Erklärung“ von Thomas Brandtner

Als Antwort auf K.S..

GeBa, das Vereinigte Königreich hatte in den europäischen Institutionen einen großen Einfluß und starke, reale Mitbestimmungsrechte, durch den BREXIT ist das verloren gegangen. Die Vision eines “Singapore on Thames” – also eines extrem effizienten, disziplinierten und wettbewerbsfähigen Staates, der alle Flexibilitätsspielräume voll zur Wohlstandsmehrung seiner Elite einsetzt und die Arbeitnehmerlöhne und Sozialstandards niedrig, aber adäquat hält – sieht auf dem Papier wie eine realisierbare Strategie aus. In der Praxis dürfte sie dem Vereinigten Königreich schwere soziale Konflikte bescheren. Singapore ist ja übrigens zufälligerweise keine Demokratie, aber vor allem sind seine Bewohner wahrscheinlich disziplinierter und auch tüchtiger als die Briten.
Die USA haben schon ziemlich klar ausgesprochen, daß sie sich bei einem Handelsabkommen massive Vorteile erwarten, was ja auch ihr gutes Recht ist. Auch von der Privatisierung des National Health Service und seiner Öffnung für private amerikanische Investoren war schon die Rede. Und die britischen Beziehungen zu Russland sind seit Jahren so schlecht, daß man eigentlich nur von Eiszeit sprechen kann. Wir sollten uns jetzt wirklich ohne Zorn und Eifer genau anschauen, was aus der Vision des BREXIT als “Befreiungsschlag” tatsächlich wird. Ich wünsche den Briten von Herzen, daß dieses Experiment einigermaßen glimpflich ausgeht, würde mich aber keineswegs wundern, wenn sie wieder einmal “Kunden” des Internationalen Währungsfonds werden.

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