Kommentar zu Bei Anne Will: Angriff der Mutante auf eine hilflose Politik von Ralf Poehling

Es gibt in der Softwareentwicklung ein Konzept, dass sich „Objektorientierte Programmierung“ nennt. Der Sinn und Zweck dieses Ansatzes ist der selbe, wie bei der sozialen Marktwirtschaft:
Das zu beschreibende Objekt, bzw. die Objekte um, die sich die Software dreht, in den Mittelpunkt zu stellen, damit derjenige der die Software programmiert und derjenige, der die Software nutzt, damit entsprechend seiner eigenen menschlichen Sichtweise und die durch das Menschsein begrenzten Fähigkeiten relativ intuitiv arbeiten kann.
Mit Objekten, die Eigenschaften eines bestimmten Gegenstandes zusammenfassen, lässt sich als Mensch eben viel einfacher umgehen, als mit Zahlenkolonnen und kryptischen Abkürzungen. Man passt die Entwicklung und Nutzung der Software also quasi der menschlichen Denkweise an, wie auch die soziale Marktwirtschaft sich der Denkweise, den Eigenschaften und Bedürfnissen der Menschen anpasst. Dadurch wird die Übersicht bei komplexen Sachverhalten, die durch komplexe Routinen berechnet werde, stark verbessert und zudem die Wartung des Programmcodes deutlich vereinfacht.
Mit anderen Worten: Mit einer objektorientierten und strukturierten Vorgehensweise, wird das Umgehen mit sehr komplexen Sachverhalten in einer Software erst möglich.

Wenn eine Software also zum Beispiel verschiedene Autos mit einander vergleichen soll, dann müsste man erst einmal in Form einer Structure oder Klasse definieren, was dieses Objekt „Auto“ ist und welche Eigenschaften es hat.
Also bräuchte es für die Beschreibung des Autos verschiedene Konstanten und Variablen, wie z.B. für die Anzahl der Räder, der Türen, die Leistung des Motors, etc., die dann letztlich zusammengefasst die Eigenschaften eines Autos beschreiben, mit denen man auf Basis des normalen menschlichen Horizonts relativ einfach umgehen kann, ohne sich dabei in Zahlenkolonnen zu verlieren und damit die Übersicht über die gesamte Software ebenso zu verlieren.

Mit Menschen und ihren generellen Eigenschaften (wie z.B. ihre individuelle Sozialisation), bzw. ihren individuellen Fähigkeiten (Ausbildung, Studium), den Gefahren, denen sie ausgesetzt sind (Kriminalität, Krankheit) und dem System, dass sie zusammmenhält (der Staat) und in dem sie miteinander agieren, kann man das genauso machen. Dann verliert man nämlich nicht mehr den Überblick, wenn es zu Komplikationen kommt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen.
Womit wir dann bei der Ausnahmebehandlung einer Software ankommen, die genau das tut, was der Name schon sagt: Das ist eine Softwareroutine, die immer dann getriggert wird, wenn unerwartete Probleme auftauchen (also so, wie jetzt z.B. die Coronageschichte) und diese Probleme einer Sonderbehandlung bedürfen. Wie diese Sonderbehandlung aussieht, muss dann entsprechend des einlaufenden Fehlers mal so und mal anders daherkommen.
Man sollte als guter Programmierer solche Fehlerbehandlungsroutinen aber in jedem Fall immer(!) mit einprogrammieren, denn keine Software ist fehlerfrei, da diejenigen, die die Software programmieren und diejenigen, die sie nutzen, es ja auch nicht sind.

Und jetzt lasse man dies alles mal eine Sekunde sacken und übertrage es dann auf unsere Gesellschaft…

Warum hier gerade alles im Chaos versinkt, ist offensichtlich.
Sehr offensichtlich!

Wir haben kein funktionierendes System, dass diejenigen, um die es eigentlich geht, auch wirklich in den Mittelpunkt stellt. Im Gegenteil, es geht andauernd nur um irgendwelche Partikularinteressen, die den Überblick über die gesamte „Software“ bzw. die Gesellschaft als solches gar nicht haben und sich in ihrer Vorgehensweise einzig an ihrem eigenen beschränkten Horizont orientieren.
Was letztlich darauf hinausläuft, dass diese Partikularinteressen sich aufführen, wie ein Virus im System, der die ganze Software zum Absturz bringt.

Damit dieses Land, dieser Kontinent, diese Welt wieder stabil laufen, bräuchte es jemanden an der Spitze, der sämtliche unterschiedlichen Interessen im Blick hat und diesen Interessen ihren eigenen(!) Raum lässt, sie davon abhält, den Raum der anderen Interessen zu verletzen und sie in angemessenen Abständen jeweils einzeln berücksichtigt.
Wenn man den Fokus also einzig auf die Führung legt und meint, man könne den Laden nur von der Spitze her mit einer einzelnen oder auch wenigen kompetenten Personen komplett auf die Hinterbeine stellen, bräuchte also nicht nur einen Trump, sondern die Mischung aus Trump und Einstein.
Und diese Mischung existiert einfach nicht.
Also müssen wir am System fummeln, damit dies auch funktioniert, wenn Teile der Software versagen, weil sie voller Fehler sind.

Es braucht die gesamtgesellschaftliche Erkenntnis, dass es nicht nur an einzelnen Personen hapert, sondern am gesamten Zusammenwirken der einzelnen Komponenten der jeweiligen Teilbereiche der jeweiligen Gesellschaften.
Eine globalisierte und damit zentralisierte Welt ist nicht effizient steuerbar und ihr Programmcode zu chaotisch, als dass der ganze Laden nicht zwangsläufig nach kurzer Zeit abstürzen würde. Also so, wie jetzt.

Die Ursache dafür ist offensichtlich:
Der Mensch und seine begrenzten Sinne, die in zuvorderst im Eigeninteresse und nicht im Interesse der Allgemeinheit agieren lassen.
Was auch für die jeweiligen Interessengruppen und die jeweiligen Staatsführungen gilt. Was umso härter durchschlägt, wenn der zu verwaltende Bereich wegen globalisierter und damit zentralisierter Strukturen größer und die Anzahl der Verwalter immer kleiner wird. Am Ende verwaltet ein einziger begrenzter Horizont also alles andere. Das das nicht gut gehen kann, ist klar.
Was sich dann auch wunderbar bereits darin zeigte, dass die EU beim organisieren von Impfstoff total versagt hat. War zu erwarten.

Wenn wir weiter diesen Weg gehen, dann wird diese Welt im Chaos ersaufen.
Es braucht nicht nur kompetentes Führungspersonal, es braucht auch dringend funktionierende Strukturen.

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