EZB-Chefin Lagarde forciert Einführung des digitalen Euro

»Wir werden einen digitalen Euro haben«, sagte EZB-Chefin Lagarde am gestrigen Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. »Das ist nicht für morgen, das wird einige Zeit benötigen, um sicherzustellen, dass es etwas gibt, was sicher ist.« Bis Mitte des Jahres soll laut den Planungen ein solches Projekt geprüft und in Angriff genommen werden.
Der digitale Euro soll einerseits in direkter Konkurrenz zu anderen sogenannten Kryptowährungen (wie zum Beispiel Bitcoin) aufgebaut werden, soll aber darüber hinaus langfristig das Bargeld ersetzen. Auch der digitale Euro stünde wie jetzt der Euro in seiner Form unter direkter Kontrolle der Europäischen Zentralbank. Nach außen hin wiegelt Lagarde zwar ab, dass man bei der EZB nicht daran denke, Scheine und Münzen gänzlich abzuschaffen. Der digitale Euro solle, so Lagarde, lediglich die Auswahl an Zahlungsmitteln vergrößern.
Faktisch aber ist die EZB seit Jahren auf einem Kreuzzug gegen das Bargeld. Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins, vordergründig mit dem Kampf gegen die organisierte Kriminalität begründet, war nur der erste Schritt. In einigen Ländern der Euro-Zone sind längst die kleinen Münzen aus dem Verkehr gezogen worden. Sie sind in der Produktion teuer als ihr Nennwert.
Ein digitaler Euro bedarf als Grundlage einer Teilnahme am bargeldlosen Verkehr, also entsprechender Konten. Diese Konten sind nicht vor dem Zugriff geschützt, wie die Griechen vor einigen Jahren erfahren mussten. In der damaligen Finanzkrise konnten Kontoinhaber lediglich einen Bruchteil ihres Geldes vom Konto abheben. Der Staat hatte höhere Auszahlungssummen blockiert. Auf das Bargeld hat der Staat aber keinen Zugriff. Bargeld ist Freiheit und Unabhängigkeit. Und das missfällt offensichtlich der EZB.

Leserbriefe

Nachrichten, Kommentare, Leserbriefe - News im Minutentakt.