Reaktionäres Tagebuch

Moderator: Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich heiße Sie herzlich willkommen zu unserer aktuellen Diskussionssendung. Aus gegebenem Anlass geht es wieder um das Corona-Virus. Ich darf den virologischen Experten Univ. Prof. DDr. Mielke bitten die Runde mit einleitenden Worten zu eröffnen.

Virologe: Danke sehr. Ihre Maske sitzt übrigens nicht richtig.

Moderator: Verzeihung.

Virologe: So ist es besser. Immer brav über die Nase. Nun denn. Ob verantwortungsloser Menschen wie Ihnen müssen wir den harten Lockdown um zwei Wochen verlängern.

Moderator: Wegen mir jetzt?

Virologe: In der Tat. Und wegen der übrigen Covidioten, Coronaleugnern und Leichtsinnigen. Ich war schockiert, wie ich auf den Weg zu dieser Sendung gewesen bin. Es waren tatsächlich Menschen auf der Straße. Können Sie sich das vorstellen? Nehmen Sie das endlich zur Kenntnis. Es waren Menschen auf der Straße. Wirklich auf der Straße.

Epidemiologe: Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, Herr Kollege. Auch ich bin zahllosen Lebensgefährdern begegnet, auf dem Weg ins Studio. Mindestens drei. Vielleicht sogar vier.

Moderator: Na ja, Herr Institutsleiter Prof. Dr. Dollfuß. Sind Sie tatsächlich drei oder vier Menschen begegnet oder haben Sie nicht vielmehr drei oder vier Menschen gesehen?

Epidemiologe: Sehen Sie. Sehen Sie. Genau deswegen kommen wir bei der Bekämpfung des Virus nicht weiter. Diese nonchalante Disziplinlosigkeit. Wir können uns diese österreichische Schlamperei nicht mehr leisten. Wir müssen endlich preußischer werden als die Preußen.

Moderator: Darf ich kurz einwerfen, dass die deutschen Zahlen lediglich unerheblich von den österreichischen Zahlen abweichen. Und dass die Klagen über die ungenügende Einhaltung der Maßnahmen auch dort diskutiert werden.

Virologe: An dieser Stelle muss ich ganz entschieden widersprechen. Der deutsche R-Faktor liegt bei 1,0078. Der österreichische R-Faktor bei erschreckend, alarmierenden 1,0965. Das ist eine ebenso dramatische wie besorgniserregende Differenz.

Epidemiologe: Genz Recht, Herr Kollege. Ganz Recht. Außerdem dürfen Sie die Inzidenzzahl nicht aus dem Auge verlieren. Dramatisch. Dramatisch. Deutschland liegt bei stabilen 52,7. Österreich bei horriblen 56,3. 56,3! Führen Sie sich das vor Augen.

Moderator: Ähm. Äh. Ja. Aber darf ich kurz auf die bislang beschlossenen Maßnahmen verweisen. Das verpflichtende Tragen von FFP 2-Masken. Die vorgeschriebene Bartschur, ob Maskenabschließung. Außer für Muslime, ob Berücksichtigung religiöser Gefühle. Schulen geschlossen. Kindergärten geschlossen. Lokale geschlossen. Handel geschlossen. Öffentlicher Verkehr lahmgelegt. Was wollen Sie den Menschen noch antun?

Virologe: Eine ausgezeichnete Frage. Wir haben einen entsprechenden Katalog erarbeitet.

Moderator: Warum bin ich jetzt ein wenig verstört?

Epidemiologe: Weil Sie noch immer nicht verstanden haben, worum es geht.

Virologe: In der Tat. Darf ich kurz aus unserem Katalog des Schreckens zitieren. Ausgangsbeschränkungen von 9 bis 18 Uhr. Verkürzung des Bewegungsradius von 15 auf 5 Kilometer.

Epidemiologe: Ganz Recht. Ganz Recht. Zudem wird der Verkauf von Alkohol, Nikotin und Fleisch untersagt.

Moderator: Warum das? Was hat das mit dem Virus zu tun?

Virologe: Sie haben es wirklich nicht verstanden…

[Autor: G.B. Bild: Wikipedia/Karoly Grosz ; eldonisto Eugenio Hansen, OFS Lizenz: CC BY-SA 4.0]

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