Arbeiten um Gottes Lohn?

In Norwegen streiken Kirchenmänner – gerade zu Weihnachten

Die Nachricht überrascht selbst Agnostiker: Priester-Streik! Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit, als die Hw. Herren Udo Fischer (Paudorf unterhalb von Göttweig) und Helmut Schüller (Propstdorf im Marchfeld) eine sogenannte Pfarrerinitiative ins Leben rufen und neben anderem Forderungen angeblich die nach zumindest einem freien Sonntag pro Monat für jeden Priester erheben.

Nun, was hat es auf sich mit dem eingangs erwähnten Priester-Streik? Schauplatz ist Norwegen, wo ab 12. Dezember insgesamt 21 Bedienstete der lutherischen Religionsgesellschaft, darunter fünf Pastoren, die Arbeit niederlegen. Der Grund für die Niederlegung der Arbeit ist höchst profan, es geht ums Geld. Nämlich um eine Wohnungszulage, die seit 2015 gezahlt wird. Diese Zulage soll es für Neueinsteiger künftig nicht mehr geben.

Als 2015 die Residenzpflicht für  lutherische „Pfarrer“ (es handelt sich dabei um eine Art geistlichen Betreuer der örtlichen Glaubensgemeinschaft; mit einem römisch-katholischen Pfarrer als Mittler zwischen dem Herrgott und dem Gläubigen hat das nichts zu tun) im örtlichen Pfarrhaus aufgehoben wird, erhalten alle Pastoren eine Lohnerhöhung von 50.000 norwegischen Kronen (4.800 Euro) im Jahr. Dies als Ausgleich dafür, dass die lutherische Obrigkeit keine billigen Dienstwohnungen mehr zur Verfügung stellt.

Am 12. Dezember scheitern die Kollektivvertragsverhandlungen zwischen dem „Kirchenrat“ (als Arbeitgeber) und den zehn Gewerkschaften (als Vertreter der Pastoren, Messner, Reinigungskräften und sonstigen Mitarbeitern). Daraufhin beginnt der Streik. Das Motto der Streikenden: Arbeiten für Gott ja, aber nicht nur für Gottes Lohn. Für Heinke Foertsch, Pastorin in einem westlichen Vorort von Oslo und Gewerkschafterin, steht fest: „Ein irdischer Arbeitgeber darf sich da nicht darauf hinausreden, dass Priester den Lohn im Himmel bekommen. So funktioniert es nicht.“

Die Osloer Pastorin Jorund Andersen erklärt kurz vor Weihnachten in einem Interview für die marxistische Tageszeitung Klassekampen (dt. Klassenkampf), es sei zwar schwer für sie, gerade in der Festtagszeit und angesichts der Corona-Krise ihr Amt nicht auszuüben. Doch sie erachte die Frage der Anstellungsbedingungen als so bedeutsam für junge Priester, dass es ihr wichtig sei, hier klar Stellung zu beziehen.

In der Adventszeit ist der Streik in manchen norwegischen Gemeinden durchaus zu spüren. So in der Gemeinde Ullern bei Oslo. Weil aber Mitte Dezember dort eine Taufe ansteht, ist die Bischöfin von Oslo, Kari Veiteberg, kurzerhand selbst für den streikenden Pastor in die Bresche gesprungen.

Doch Ende gut, alles gut: In der Nacht auf Montag, dem 11. Jänner, einigen sich die Streitteile auf ein neues Lohnschema, das auch für neu eintretende Pastoren eine Wohnungsbeihilfe vorsieht. Unmittelbar darauf wird die Arbeit wieder aufgenommen.

[Autor: E.K.-L. Bild: Wikipedia/rheins Lizenz: CC BY 3.0]

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