Kommentar zu Was wurde eigentlich aus der Mega-Explosion im Hafen von Beirut? von Franz Meier

Der Libanon ist ein gutes Beispiel für die Hoffnungslosigkeit und Aussichtslosigkeit der arabischen Länder (ausgenommen GCC-Länder, die haben eine andere Ausgangslage). Die Bevölkerung hat sich seit 1945 verdreifacht. Der Libanon war nach dem zweiten Weltkrieg bis Anfang der 70er Jahre das Paradeland des Nahen Ostens. Hier lebten diverse, verschiedene, religiöse, ethnische Gruppen einigermassen friedlich nebeneinander, die Wirtschaft florierte. Beirut war seinerzeit ein erfolgreiches internationales Handels- und Dienstleistungszentrum wie Singapur und Hongkong heute. Beirut war damals die modernste, liberalste arabische Stadt. Man sprach nicht nur Arabisch, sondern auch Englisch und Französisch. Beirut war ein kulturelles Zentrum mit guten Schulen und der American University of Beirut, AUB genannt. Nach dem Schwarzen September in Jordanien 1970/71 entschieden die Syrer, die aus Jordanien geflohenen PLO Kämpfer mit ihren schweren Waffen gleich in den Libanon weiter zu schicken. Dort wiederholten die heroischen PLO Kämpfer wieder genau denselben Angriff auf den “Gaststaat”, nur war der Libanon leider nicht stark genug sich dagegen erfolgreich zu wehren. Es kam zum libanesischen Bürgerkrieg, der zwar offiziell von 1975 bis Anfang der 90er Jahre dauerte, aber eigentlich nie wirklich endete. In der Folge kamen französische und US Truppen 1983 nach Beirut. Dort fand der erste grosse, vom Iran und den Schiiten inszenierte Selbstmordanschlag mit hunderten Toten statt. Damit begann der Aufstieg der Hizbollah. Die Hizbollah, genau wie der Iran, braucht den ununterbrochenen Konflikt und den Krieg, das ist ihre raison d’etre. Ohne Krieg können die nicht leben. Diese vom Iran finanzierte und ausgerüstete Kampf- und Terrororganisation verhindert seitdem hartnäckig eine Neuordnung und einen dauerhaften Frieden im Libanon weg von den Warlords, die das Land systematisch ausbluten. Der Vorwand war ursprünglich der Kampf um Palästina – erreicht wurde gar nichts, nur die Zerstörung des Libanons – tolle Leistung. Die PLO und die Syrer haben massgeblich zu der Zerstörung und Spaltung des Libanons beigetragen. Heute hat die Hizbollah – mit Unterstützung des Iran und Syriens – diese “wunderbare, heroische” Aufgabe übernommen. Das hat alles mit Israel und den Palästinensern nichts zu tun, absolut nichts. So lange die Hizbollah und die anderen Warlords nicht entmachtet werden und ihre Waffen vollständig abgeben, wird es im Libanon keinen Frieden geben. Der Libanon ist sozusagen “Somalia light”. Hoffnung = NULL. Man zehrt noch ein kleines bisschen von der Vergangenheit. Die Infrastruktur ist nach 45 Jahren Krieg am Boden, ausländische Investoren machen einen Bogen um das Land. Das libanesische Pfund in den 60er Jahren drei Pfund zum Dollar, steht heute bei ca. 2000 Pfund zum Dollar – was will man da noch sagen? Die gebildeten und die mutigen Libanesen werden auswandern. Die Guten werden nach Frankreich und in die angelsächsischen Ländern gehen. Die Unterschicht, die Analphabeten, die wenig gebildeten, radikalen Migranten freuen sich schon auf Deutschland, Schweden und Österreich.

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